Krieger der Dämmerung, Teil 2: Die Magier (Die Magier-Serie, Band 2)

1 von 5 Punkten – Ich habe es abgebrochen. Das Buch war nicht mehr zu ertragen. Der zweite Teil „der Magier“ schließt nahtlos an den ersten an. Die Flucht der ungleichen Gefährten (Bauernjunge, Bauernmädchen, haariger Riese, mürrischer Krieger und altkluge Zauberin) vor den gedungenen Mördern wird plötzlich zu einer Jagt. So etwas hatte ich wirklich noch nie. Sie beschließen es einfach und alles vorher spielt dann keine Rolle mehr!

Diese unsinnige Gesinneswandlung ist jedoch nur Nebensache. Eigentlich dient die ganze Geschichte nur dazu, Fragen aufzuwerfen. Die wichtigste lautet: „Warum heißt die Serie ‚Die Magier‘, wenn nicht gezaubert wird?

Wenn ich noch mehr zu diesem Buch schreibe, vergeude ich nur noch mehr Zeit. Also: Schluss und vergessen!

Die Ritter der 40 Inseln – Sergej Lukianenko

4 von 5 Punkten – Lukianenko ist hierzulande hauptsächlich durch die Romanserie „Die Wächter der Nacht“ und deren Verfilmung bekannt. Hier geht es um den Jungen Dima, der sich vor dem Stadtpark von einem angeblichen Reporter fotografieren lässt und unvermittelt auf einer Südseeinsel mit rosa Burg aufwacht. So idyllisch, wie das Eiland zuerst auch erscheint, über jeweils drei Brücken sind insgesamt 40 Inseln miteinander verbunden, die es zu schützen oder zu erobern gilt. Denn man darf erst wieder nach Hause, wenn das eigene Teenagerteam alle anderen dominiert. Als hilfreiche Mittel stehen Schwerter, Armbrüste und gelegentlich eine Pistole zur Wahl. Doch nach dem ersten Töten erkennt Dima den Wahnsinn und versucht in den Spielregeln Schlupflöcher zu finden, um zu gewinnen oder zu entkommen.

Auch wenn es sich vielleicht etwas verrückt oder kindisch anhört, keine Sorge, der Autor ist nicht umsonst für seine Härte und seinen Blutdurst bekannt. Natürlich muss sich ein solches Thema an dem „Herr der Fliegen“ messen. Einen solchen Klassiker, der viele Generationen von Schülern geprägt oder gequält hat, kann man nicht ersetzen. Aber ich finde, Lukianenko schlägt sich ganz gut. Diese Version ist blutiger, weniger theoretisch und belehrend und auf jeden Fall unterhaltsamer.

Glutsand (Die Sturmkönige 3) – Kai Meyer

3,5 von 5 Punkten – Ein würdiges Finale präsentiert Kai Meyer mit dem dritten Teil seiner Sturmkönige-Reihe. Die halsbrecherische Jagt auf den fliegenden Teppichen geht nahtlos weiter. Nachdem Tarik und Sabatea Bagdad erreicht haben, müssen sie es direkt wieder verlassen, um das sagenumwobene Skarabapur zu finden, die Stadt des dritten Wunsches. Geleitet von einem fliegenden mechanischem Pferd und begleitet von einer zerbrechlichen Allianz aus Dieben, Meuchlern und Zauberern werden die Auseinandersetzungen immer blutiger, so wie die Handlungsoptionen für die Helden immer mehr zusammenschrumpfen. Es bleibt nicht viel Platz für die weitere Entwicklung der Charaktere, was der Geschichte in dem finalen Stadium aber auch nicht schadet, sondern das Tempo hochhält.

Ich hätte mir die ein oder andere Auflösung mitunter anders gewünscht, was bei der Vielzahl an möglichen Varianten aber nachvollziehbar ist.

Auch beim letzten Teil der Bastei Lübbe Ausgabe hat der Verlag wieder Leserinnenfang betrieben und ein völlig unpassendes Cover verwendet. Die Ausgabe von 2009 erinnert noch an ein Märchenbuch, diese von 2011 an Vampirmädchenroman.

Der Schattenesser – Kai Mayer

4 von 5 Punkten – Sarai ist ein junges jüdisches Mädchen, dass in Prag im Jahre 1620 lebt. Der 30-jährige Krieg hält die Stadt gefangen. Sarai schließt sich einem alten Alchimisten an, dessen schaurige Geschichten sie von ihrem beklemmende Leben ablenken. Nachdem sie von einem Botengang zu spät zu ihrem Vater zurückkehrt, findet sie ihn tot auf. Bald kommt sie einem schrecklichen Mörder auf die Spur, der die Menschen tötet, indem er ihnen ihren Schatten stiehlt. Doch schnell wird sie von der Jägerin zur Gejagten…

Kai Mayer legt hier keine klassische Fantasy vor, eher eine Mischung aus Sagen- und Horrorgeschichte. Neben dem Schattenesser begegnen dem Leser noch ein Golem, ein Hexenhaus sowie ein verrückter Papiermacher. Auch in diesem Buch gelingt es Mayer Tempo und Spannung von Anfang bis Ende hochzuhalten und es einem damit äußert schwer zu machen, es aus der Hand zu legen.

Der lebende Gott (Die zweiten Chroniken von Pandemia 4) – Dave Duncan

4 von 5 Punkten – Endlich habe ich das Finale erreicht. Die Bücher haben sich permanent in der Qualität gesteigert, die anfängliche Enttäuschung wurde zur Begeisterung. Aber der Preis, den ich Zahlen musste, war hoch. Ich würde mal auf 500 überflüssige, frustrierende Seiten tippen, bevor die Serie mich so fesselte wie die ersten Chroniken.
Die ersten drei Bücher warfen durch ihre offenen Enden zahlreiche Fragen auf: Wird die Pixie Taille ihrem Hass auf die Hüterin erliegen oder zur Beschützerin ihres Landes? Kann Rap genug Widerständler um sich scharen? Gelingt dem Schürzenjäger Ylo sein Meisterstück? Werden Königin Innos und ihre Kinder überleben? Und: Wird die Revolution den Allmächtigen bezwingen und die Welt vor der totalen Sklaverei bewahren? Alle Handlungsstränge spitzen sich im Verlauf immer weiter zu und vereinen sich zum großen Finale. Dave Duncan spart nicht mit Tod, Mord, Vergewaltigung, Erniedrigung und Fanatismus, allerdings so wohl dosiert, dass der Schrecken nicht in der Masse untergeht.

Man sollte alle vier Bände hintereinander lesen, um nicht von einem offenen Ende zum nächsten zu hecheln. Das Durchhaltevermögen wird schlussendlich belohnt.

Das verlassene Schlachtfeld (Die zweiten Chroniken von Pandemia 3) – Dave Duncan

3.5 von 5 Punkten -Inzwischen ist klar, dass die zweiten Chroniken einen neuen Helden haben: Thaile, eine Pixie. Zwar hat die Serie viele Charaktere, alte wie neue, denen man kapitelweise folgt, und die die Konterrevolution aus verschiedenen Perspektiven zeigen, man will aber immer mehr von Thaile lesen. Sie lebt in der Idylle eines versteckten Landes und wünscht sich nichts sehnlicher als einen Mann, ein Haus und Kinder. Doch sie wird zur Zauberin gemacht, ihrer jungen Familie beraubt und in eine Parallelwelt entführt. Damit sie spurt, löscht man das vergangene Jahr aus ihrem Gedächtnis. Doch sie merkt, dass irgendetwas nicht stimmt…

Auch der dritte Teil, der endlich Tempo und Qualen (diesmal Seelenqualen) der Vorgängerreihe erreicht, ist kein in sich geschlossener Roman.

In Acht und Bann (Die zweiten Chroniken von Pandemia 2) – Dave Duncan

3.5 von 5 Punkten – Es wird langsam! Noch einmal zweihundert schnell gelesene Seiten, dann fängt die Geschichte an zu wirken, die zahlreichen Charaktere kommen zu ihrem Recht, und die Spannung setzt ein.

Neben der sich langsam bewahrheitenden düsteren Prophezeiung, die schon im ersten Teil über Allem drohend schwebte, und der kleinen Gruppe an Widerständlern, die nicht aus dem Diskutieren herauszukommen scheint, gerät nun Königin Inos mit ihren Teenager-Kindern in lebensbedrohliche Gefangenschaft. Gleichzeitig erhält Thaile, eine junge Pixie, die in einem versteckten Land lebt, okulte Kräfte und wird gezwungen, ihre Liebe und ihr Neugeborenes zu verlassen. Beide Frauen geraten in unglaublichen emotionalen Stress, da sie Unmögliches wagen müssen. Dies ist eine neue Form von Qualen, die Dave Duncan hier beschreibt. In den ersten Chroniken waren es noch bis zum Exzess beschriebene körperliche Strapazen, die einem das Weiterlesen fast unerträglich machten.

Bereits der erste Teil der zweiten Chroniken hatte ein offenes Ende, dies ändert sich hier auch nicht. Man wird wohl alle vier Bücher direkt hintereinander lesen müssen, um alle Erzählstränge zusammenfügen zu können.

Der Thron des Zauberers (Die zweiten Chroniken von Pandemia 1) – Dave Duncan

2.5 von 5 Punkten – Das darf man seinem Publikum eigentlich nicht zumuten: Da wartet man sehnsüchtig auf die Fortsetzung einer fantastischen Reihe und bekommt nur durchschnittliche Kost. Dave Duncan hat alle liebgewonnenen Figuren aufgewärmt und beschreibt gemächlich ihr gemächliches Leben nach fünfzehn Jahren der Ruhe. Lediglich der Neue, Ylo, darf ein paar Abenteuer, meist mit weiblichen Rundungen verbunden, erleben. Weder die düstere Prophezeiung zu Anfang noch das Intermezzo mit Dachen können einen andauernden Spannungsbogen erzeugen. Somit ist das Buch eine nette Wiederbelebung, die nur Fans der Serie gefallen wird.

Es handelt sich bei dem ersten Teil der zweiten Chroniken nicht um einen in sich geschlossenen Roman. Das Ende ist derart offen, dass man sofort zum nächsten Teil greifen muss, um einfach weiterzukommen.

Troja – Gisbert Haefs

2.5 von 5 Punkten – Von meister- bis stümperhaft bietet dieser Roman alle Facetten des Erzählens. Der Autor bedient sich mehrerer Erzähler, die teilweise in Briefen ihre Sichtweise auf den Trojanischen Krieg darlegen. Bis auf Odysseus kennt man erst einmal niemanden der Verfasser. Gerade der beschwingte augenzwinkernde griechische Held ist ein Highlight des Buches. Auch die Idee, das ganze mytische Fleisch der Homerischen Dichtung abzuziehen und mit dem Skelett eine gänzlich neue Geschichte zu konstruieren ist erst einmal interessant. Gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich eine stimmungstechnische Leistung sind die zahlreichen Alternativbezeichnungen von Personen und Orten. Troja wird auch Ilios oder Wilusa, Kreta auch Kefti, Alexandros auch Paris oder Parisiti genannt, je nachdem ob ein Ägypter, ein Assyer oder ein Achaier erzählt.

Die Hauptgeschichte folgt dem assyrischen Händler Ninurta, der Kopf einer Handelsgemeinschaft ist, die von einer geheimen Inselhöhle aus ihre Unternehmungen koordinieren. Sie geraten in die Vorbereitungen für den Trojanischen Krieg und hoffen kräftig daran verdienen zu können, was sich aber als folgenschwerer Fehler erweist…

Leider geht Gisbert Haefs oft zu weit. Die geheime Insel ist erst der Anfang. Ein ehemaliger Sklave stellt sich als gewitzter Tüftler heraus, der mal eben die Seilzugrolle, den Steigbügel und das Zaumzeug sowie den Buchdruck erfindet.

Weiterhin hat Haefs eine zu ausgeprägte Vorliebe dafür nicht den Krieg oder Kampf direkt zu beschreiben, sondern wie es danach aussieht. Er erzählt ausführlich und sehr detailliert über die Leichen auf den Schlachtfeldern, die Versehrten, die überforderten Ärzte, die gierigen Schänder. Die geheime Botschaft, die dem Händler Ninurta in den Kopf gepflanzt worden ist, wirkt aufgesetzt, um dem allzu bekannten Verlauf des Trojanischen Krieges doch noch ein unbekanntes und Spannung erzeugendes Element zu geben. Weniger ist eben manchmal doch mehr…

Die Gärten des Mondes (Das Spiel der Götter 1) – Steven Erikson

3.9 von 5 Punkten – Der Wälzer bildet mit seinen 800 Seiten den Auftakt einer zehnteiligen Serie. Die deutschen Fortsetzungen wurden leider gesplittet, wohl um mal wieder mehr Geld aus dem Kunden herausholen zu können. Nun aber zum Inhalt: Der Kontinent Genebackis soll dem Malazanischen Imperium einverleibt werden. Als die zweijährige Belagerung einer der letzten freien Städte mit einem Kraftakt aus Truppen und Magiern beendet werden soll, kommt es zur Katastrophe. In einem weiteren Handlungsstrang wird ein junger Offizier des Imperiums zum Kommandanten der „Brückenverbrenner“ ernannt, einer ehemaligen Eliteeinheit, die nun für die Infiltrierung des Feindes zuständig ist. Darüber hinaus lernt man den fetten, verrückten Magier Kruppe kennen, der sich redlich müht mit seinen zwielichtigen Freunden profitable Beutezüge zu machen, während drohend über der Stadt ein fliegender Berg schwebt, der von einem alten, magiebegabten gottähnlichen Volk bewohnt wird. Aber das sind noch lange nicht alle Charaktere. Ungefähr über die Hälfte des Buches werden neue Figuren eingeführt, wird das Magiesystem um neue Facetten erweitert, treten weitere „aufgestiegene“ Götter auf den Plan. Der Autor schafft eine sehr komplexe Welt, die der Leser noch lange nicht erforscht haben wird, wie die zehn/zwanzig Teile vermuten lassen. Das Buch hat einen ausführlichen Anhang, auf den ich öfter zurückgreifen musste, um nicht den Überblick zu verlieren. Insgesamt gefällt mir „das Spiel der Götter“ aufgrund seines Detailreichtums und seiner fantastischen Ideen sehr gut. Leider will Erikson zu viel auf einmal und schreckt auch vor dem einen oder anderen Superlativ nicht zurück.