3 von 5 Punkten – Dieses Buch von 1966 würde heute eher als Historienroman verkauft werden. Im klassischen Griechenland wird der Schauspieler Niko in das Leben des Philosophen Platon verwickelt und erzählt dessen Versuche aus der Tyrannis auf Sizilien den „idealen Staat“ zu errichten. Der Leser begleitet Niko durch das Theaterleben und erfährt viele interessante Dinge. Ebenso verhält es sich mit Platons Lehren: sehr interessant. Aber leider nicht mehr: Die Tiefe entspricht der einer Fernsehdoku. Spannung kommt zum Ende auf, als die Tyrannis mit Gewalt bezwungen werden soll. Wer das Leben von Platon kennt, kennt aber die meisten Gefahrenmomente und wird diesen Teil des Buch wohl etwas langweilig finden. Trotzdem ist die Geschichte etwas besonderes, gerade weil der „Held“ der Geschichte kein Kämpfer ist und auch keiner werden muss. Wer wenig über die Zeit des klassischen Griechenland und des Theaters oder von Platon weiß, der wird mehr auf seine Kosten kommen. Aber auch diejenigen, die sich etwas in der Griechischen Mythologie auskennen, erhalten durch die vielen Anspielungen, die auch die Atmosphäre des Romans bestimmen, einen Mehrwert.
Der magische Wald – Paul Kearney
1,5 von 5 Punkten – Ich hatte viel Geduld mit dem Buch. Ich habe die lange Einführung und das langsame Anwachsen der seltsamen Erscheinungen und Ereignisse, die Michael, der kleine Junge einer irischen Farm der 50er Jahre, als einziger bemerkt, geduldig gelesen. Die Einsprengsel von kindlichen Visionen in eine Zukunft als Krieger oder Erinnerungen in diese Vergangenheit als fetter, kettenrauchender Barkeeper waren sogar interessant. Aber es ist nicht wirklich ein magischer Wald, eher ein grimmiger. Auch der Cover-Vergleich von Märchenwelt, ist so was von falsch! Es gibt keine Ritter, keine Schlösser, keine Schlachten, nur den Wald. Es wird gelatscht, geritten und gelatscht. Die ganze Zeit. Man wird als Leser ebenso vermürbt wie Michael und seine Begleiterin, deren einzige Abwechslung vom Latschen die körperlicher Liebe ist. Das Ende fand ich völlig unbefriedigend, da es keinerlei Antworten gab, die die ganze Quälerei gerechtfertigt hätten. Das ganze Buch hat im Endeffekt keinen Spaß gemacht.
Der Kreis aus Stein (Die Herren der Runen 2) – David Farland
4 von 5 Punkten – Der zweite Teil des ersten Teils (in Deutschland wurde das Buch in zwei gehackt) knüpft natürlich nahtlos an die Geschichte an: ohne Pause wird gejagt, geflüchtet, gekämpft und massenhaft gestorben. Die Idee mit den Übereignern führt David Farland weiter und lässt den Superschurken, der über tausende Gaben verfügt, noch übermenschlicher wirken, aber nicht unbesiegbar. Dennoch zeichnet sich ein Wendepunkt in der Geschichte ab: Die eigentliche Bedrohung der Menschen scheint sich erst zu formieren… Die maßlos übertriebenen Kräfte haben mich an die Grenze meines Vorstellungsvermögens gebracht. Wie hört man mit dem Gehör von Hunderten? Wie riecht man mit den Nasen von Hunden? Wie sieht jemand aus, der die Anmut von vielen Frauen übernommen hat?
Die Kritik zu Teil 1 gibt es hier.
Die Insel der Elben (Die Pandemia-Saga 2) – Dave Duncan
2.9 von 5 Punkten – Es dauert geschlagene 300 Seiten, bevor der Autor die Stärken des ersten Teils wiederentdeckt und den Helden auf einen zermürbenden Marathon schickt, der weit über das hinausgeht, was wir so ertragen könnten. In den vorherigen Kapiteln versucht Königin Innos verzweifelt einem arabisch nachempfundenen Königreich weibliche Emanzipation nahezubringen, was ich nur anstrengend fand. Im Verlauf des Romans erfährt man noch einiges über die Macht der geheimen Worte, die man schon „auf dem Weg nach Kinvale“ kennengelernt hat, aber es wird eher verwirrender, als erhellender. Ich hoffe, dass der dritte Teil wieder zur alten Klasse zurückkehrt, sonst könnte ich der Serie den Rücken zukehren.
Hawkwoods Reise – Paul Kearney
3 von 5 Punkten – Der erste Teil von „Die Königreiche Gottes“ machte es mir nicht leicht, da die bösen Merduks schon sehr nah an die Mauren (islamische Araber des 8. Jh.) angelehnt sind, die die „christliche Welt“ zu überrennen drohen. Parallel wird von der Kirche die Inquisition ins Leben gerufen, um die Macht der weltlichen Könige zu brechen und die ketzerischen Hexen, Zauberer und Andersgläubigen zu beseitigen. Weiterhin wird noch eine Expedition in einen unbekannten westlichen Kontinent gestartet. Ach ja, Werwölfe gibt es auch noch. Dass dieses Gemisch doch noch funktioniert, ist definitiv der erzählerischen Leistung von Paul Kearney geschuldet: Die Charaktere handeln überzeugend, die Schlachten sind brutal und gewaltig, die Seereise authentisch. Ob der Fünfteiler noch zulegt oder nachlässt, werde sich noch zu berichten wissen…
Gloriana – Michael Moorcock
1 von 5 Punkten – Vorbild für dieses Werk war Königin Elisabeth I.; die Fantasiewelt Albion wird sehr nah an unserer Welt angesiedelt, nicht einmal für Polen oder Arabien werden neue Namen erfunden. Es herrscht Dekadenz in vollen Zügen: prunkvolle Feste, Intrigen, höfisches Gezänk, eine Königin, die in geheimen Gemächern perversen Lüsten frönt. Gelegentlich begleitet man Käpt’n Quire, einem zwielichtigen Diener, Mörder und Piraten im Dienste des Lordkanzlers. Leider gibt es keine einzige Identifizierungsfigur, keinen für mich wirklich interessanten Charakter, nicht einmal einen richtigen Bösen. 200 Seiten habe ich dem Autor Zeit gegeben mich zu begeistern, leider erfolglos. So bleiben die letzten 350 Seiten ungelesen.
Im Namen der Götter – Oisin McGann
1 von 5 Punkten – Der Roman ist eine Mischung aus Fantasy, Science Fiction und realen Konflikten unserer Zeit. Ein hochtechnisiertes Land unterdrückt ein rückständiges; kulturelle Unterschiede und Glaubensfragen bilden eine allzu bekannte Basis. Während die einen mit Kampfflugzeugen Bomben werfen, reiten die anderen auf Pferden in den Krieg und schicken Selbstmordattentäter. Die Geschichte ließ mich zu sehr an den Nahostkonflikt, die „Achse des Bösen“ und den irischen Widerstand denken, weshalb ich die Lektüre nach 100 Seiten abbrach.
Der Weg nach Kinvale (Die Pandemia-Saga 1) – Dave Duncan
4 von 5 Punkten – Auch wenn die ersten fünfzig Seiten so öde und langweilig erscheinen wie das beschriebene Königreich und dessen Bewohner, bildet dies den wichtigen Startpunkt für eine verrückte, ausmergelnde und selbstmörderische Reise durch ewiges Eis und Koboldlande, voller bedrohlicher Magier, die hinter geheimen Worten her sind. Es gibt nur einen einzigen Toten im Buch, keine Schlachten und (fast) keine Dachen, dennoch wird das Buch irgendwann unerträglich spannend. Leser, die keine offenen Enden mögen, sollten sich wie ich direkt die drei weiteren Teile ins Regal stellen.
Dunkel über Longmot (Die Herren der Runen 1) – David Farland
4 von 5 Punkten – Wenn der Zweck die Mittel heiligt, lassen sich Gut und Böse in diesem Buch nicht mehr unterscheiden. Die Runenlords beschützen ihr Volk, indem sie körperliche oder geistige Fähigkeiten ihrer Untertanen übernehmen und so stärker, klüger, schneller und/oder schöner werden. Die „Übereigner“ werden zu Invaliden und Pflegefällen. David Farland lässt die Runenmagie zum Glück nicht nur einfach existieren, er hinterfragt sie durch seine Charaktere, ohne die Handlung ins Stocken geraten zu lassen, in der vom harten Zweikampf bis zur gewaltigen Schlacht alles geboten wird. Ein Punkt Abzug gibt es dafür, dass der deutsche Verlag den Dreiteiler zu einem Sechsteiler gemacht hat, und der erste Teil zu abrupt endet (zum Glück sind alle Teile gebraucht günstig zu erstehen). Weiterhin fehlt Farland, trotz seines Namens, das Händchen für ausführliche Beschreibungen von Landschaften und Umgebungen.
Im Dienst der Seelenfänger (Die schwarze Schar 1) – Glen Cook
2.5 von 5 Punkten – Eigentlich ist das Buch eine Zumutung, aber eine gut gemachte. Der Chronist einer Söldnertruppe schildert die Erlebnisse seiner „Schwarzen Schar“ im Dienste der Lady, einer wiedererweckten Bösen, die die Nordländer unterjocht und die Rebellen niederschlagen will. Dies beschreibt der Chronist ohne Ausschmückungen, ohne Firlefanz, ohne sanfte Worte. Das Buch wird beherrscht von kurzen S-P-O-Sätzen und einem Stil, der zu harten Söldnern, die ihre eigene Vorstellung von Moral haben, passt. Damit wirken die Chroniken zwar stimmig, aber richtige Lust kommt beim Lesen nicht auf. Das Buch hat mir einfach keinen Spaß gemacht, mich nicht gefesselt, nicht Besitz von mir ergriffen. Ich bin zwar kein Freund von strahlenden Helden und dem ewigen Kampf von Gut und Böse, dessen Ausgang eigentlich schon nach den ersten Seiten klar ist, aber in diesem Buch fehlte es völlig an Guten, es gab nicht mal unschuldige Opfer. Eigentlich waren alle irgendwie böse, aber auch nicht zu viel. Zum Schluss dieses ersten Teils, der insgesamt zehn Bände umfassenden Reihe (bisher nur drei in Deutsch), kommen doch noch so etwas wie Gewissensbisse auf, die etwas Hoffnung verbreiten sollen.
