3 von 5 Punkten – Nach der überragenden Pandemia-Saga (meine Kritik hier) war ich gespannt wie sich Dave Duncan in seinen anderen Büchern schlägt. „Das Siebte Schwert“ gehört zu den ersten Werken des Autors. Wallie Smith stirbt am Zeckenbiss und erwacht in einem mittelalterlichen Parallelunivsersum im Körper eines Schwertkämpfers. „Oh nein“, habe ich mir gesagt, „ob das was wird?“. Ja, wird es. Man muss die Geschichte mit einem Augenzwinkern lesen, wenn Wallie aka „Shonsu Schwertkämpfer“ seine moralischen Probleme mit Sklavenhaltung, Kastensystem und Blutvergießen durch Vergleiche von Häuserblocks oder Autobahnen zu begreifen versucht. Aber die ganze Geschichte wäre nicht so vergnüglich, wenn Wallie einfach nur ein Schwertkämpfer wäre (und zwar der Beste). Man könnte die Handlung als Kammerspiel bezeichnen. Die riesige Tempelanlage der Göttin bildet Wallies Gefängnis. Erst wird er real inhaftiert und durchlebt Demütigung und Folter (ausführlich beschriebene Folterqualen scheinen ein Lieblingsthema des Autos zu sein), dann kommt er zwar frei, wird aber durch Intrigen korrupter gieriger Schwertkämpfer an unsichtbaren Fesseln gehalten. Er muss entkommen, er will entkommen, kann jedoch nicht hunderte Gegner niederstrecken. So beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, wobei die Maus größer und stärker als die Katzen ist, aber aus einer anderen Welt stammt und die Regeln nicht kennt.
Elfenstern (Die vergessenen Reiche 2) – Margaret Weis/Tracy Hickman
2 von 5 Punkten – Dem ersten Teil der „Vergessenen Reiche“ hatte ich noch viel Potential bescheinigt. Leider muss ich nach dem Lesen der Fortsetzung feststellen, dass ich sehr enttäuscht wurde. Wieder sehr gelungen ist die fremdartige Welt: Diesmal ist sie auf gewaltigen Bäumen angesiedelt, deren Kronen so dicht und gigantisch sind, dass Kontinente Platz darauf finden. Elfen, Zwerge und Menschen gibt auch hier und wieder sind es die Elfen, die alles zu dominieren scheinen. Doch diese Welt wird von einer derart vernichtenden Bedrohung heimgesucht, die selbst Frauen und Kinder gnadenlos dahinmetzelt, dass einem die darauf folgenden unpassenden Scherze des Zauberers Zifnab, einem Catweazle-Verschnitt, der von Gandalf und Raumschiff Enterprise faselt, im Hals stecken bleiben. Haplo, der Weltenreisende, der eigentlich Unruhe stiften soll, wird unfreiwillig zum Erlöser auserkoren und ein herumpolternder Drache erschreckt die Leute, bevor er sich von einem Trinklied bezaubern lässt und zu einem über-sorgsamen Butler wird. Nein, es tut mir Leid, aber diese Gratwanderung gefällt mir nicht. Die Hintergrundgeschichte der Serie ist nach wie vor gut; die Rache der Patyrn an den Sartan, beides göttergleiche Völker, wird am Rande auch weitererzählt, aber sie bildet eben nur das Beiwerk.
Die Nornenkönigin – Tad Williams
3 von 5 Punkten – Wieder standen mir 900 Seiten bevor, die die Welt von Osten Ard und den Kampf gegen den wahnsinnigen König Elias beschreiben. Dieser hockt aber immer noch in seiner Burg, während Ineluki, der Sturmkönig, auch im dritten Teil der Saga nur eine Bedrohung bleibt und die titelgebende Nornenkönigen auf ein paar im Buch verstreuten Seiten in ihrer Eishöhle grübelt. Was eigentlich passiert? Eine ganze Menge! Aber eben nichts, was die Geschichte merklich nach vorne treibt. Die Charaktere wachsen oder werden erwachsen, man lernt mehr über die Motivation ihrer Handlungen oder ihres Nichtstuns. Ein Tiefpunkt waren für mich die vielen kleinen Abenteuer, wo ich mich fragte: „Warum denn jetzt auch das noch?“ Aber vielleicht laufen die Fäden ja im vierten und letzten Teil zusammen. Höhepunkt ist die Belagerung und der Sturm auf den Berg der Geflüchteten. Wenn Tad Williams nicht so gut schreiben könnte, hätte ich wahrscheinlich irgendwann zu den letzten Seiten vorgeblättert. Der „Drachenbeinthron“ erforderte viel Geduld, während der „Abschiedsstern“ ordentlich Tempo gemacht hat. So hoffe ich, dass meine Geduld mit dem dritten Teil dann im vierten belohnt wird.
Die Bruderschaft der Wölfe (Die Herren der Runen 4) – David Farland
2 von 5 Punkten – Warum? Warum nur habe ich noch einen Band der Serie gelesen, die so stark angefangen hat und dann mit den Fortsetzungen derart stark wurde, dass ich bei all den Übertreibungen Kopfschmerzen bekam? Na ja, ich wollte in den Urlaub und habe einen Tag vorher festgestellt, dass ich nichts anderes mehr zum Lesen hatte. Gelogen? Nicht ganz, aber ich muss doch zugeben, dass ich ein paar offene Fragen der bisherigen drei Romane beantwortet haben wollte. Immerhin ist Band vier in Wirklichkeit der zweite Teil des zweiten Buches (für den deutschen Markt wurden die Bücher zerhackt) und somit ging die Geschichte sofort weiter, ohne die umständliche Einführung des Vorgängers (siehe Kritik Schatttenherz). Leider wurden die Übertreibungen von David Farland noch unglaublicher, und das will im Genre Fantasy schon was heißen! Diesmal sind es nicht nur die Runenlords, die immense Kräfte ihrer Übereigner übernehmen, jetzt kommen auch noch kleine Kinder hinzu, die das Gehirn ihrer Gegner fressen, um an deren Erinnerungen zu gelangen. Ach ja: Was ich vielleicht durch die beiden verbliebenen Fortsetzungen noch erfahren will: Was hat es mit den verdächtigen „Days“ (Geschichtsschreibern) auf sich, die alles wissen, aber nie etwas sagen, wird der verrückte Windlord wiederkehren (die einzig gute Szene in diesem Buch), begeht der wankelmütige Held endlich mal Selbstmord und frisst die „Grüne Frau“ am Ende alle auf?
Himmelsstürmer (Die vergessenen Reiche 1) – Margaret Weis/Tracy Hickman
3.5 von 5 Punkten – Das Buch stellte mich nach 75 Seiten auf eine harte Probe. Während man zu Anfang einen abgeklärten Assassinen kennen lernt, der nur knapp der Hinrichtung entgeht und einen selbst für Mörder moralisch fragwürdigen Auftrag erhält, wird man plötzlich zu lustigen Gegs (Zwergen) versetzt, die putzig an einer gewaltigen Maschine arbeiten, ohne sie zu verstehen. Aber ich überwand meine Skepsis und wurde belohnt. „Die Vergessenen Reiche“ brechen mit manchem Fantasy-Klischee, ohne lächerlich zu werden (die fiesen Elfen zum Beispiel sind sehr gut gelungen). Man lernt in dem ersten Band der siebenteiligen Reihe die Reiche des Himmels kennen, riesige Inseln, die in der Luft schweben und nur über Drachen oder Drachenschiffe zu erreichen sind. Es gibt ein ausgeklügeltes Magiesystem, das auch einen fünfzehnseitigen Anhang füllt, das ich mir aber wirklich bis zum Schluss aufheben würde. Etwas unbefriedigend fand ich dann doch vielen aufgeworfenen Fragen, die unbeantwortet blieben und dass allzu offene Ende. Aber die Reihe hat Potential und wird hoffentlich noch sehr viel besser; genug Lesestoff gibt es ja noch über die „vergessenen Reiche“.
Die Dämmerschmiede – Fank Rehfeld
3 von 5 Punkten – Die Legende von Arcana ist die Vorgeschichte zu den früher erschienenen „Der Drachentempel“ und “ Die Sternenzitadelle“, die ich aber nicht kenne. „Die Dämmerschmiede“ handelt von den zwei Invasionen der Damonen, schwarzen insektenartigen Riesenungeheuern, die durch ein Dimensionentor in die mittelalterliche Welt gelangen und diese massiv bedrohen. Zwischen den beiden Invasionen liegen 1.000 Jahre. Genau das macht auch den Reiz dieses Buches aus. Der Magier Maziroc und der „Fremde“ Kenran´Del erleben beide Kriege hautnah, immer springt man von einem Kapitel zum nächsten ein Millenium vor oder zurück, bis man im aufreibenden Finale permanent hin- und herwechselt. Alles andere hat man leider schon gelesen: Es gibt Elben und Zwerge, die sich verabscheuen, Magier und Hexen, die sich nicht mögen, Ungeheuer, die die Armeen der Guten massenweise dahinmetzeln, Drachen, Schneestürme und Wüsten. Sprachlich stolperte ich öfters über Begriffe wie „Tyrannis“ , „Ressentiment“ oder „barock“, die einfach zu sehr mit realer Historie verknüpft sind, als dass man sie einfach mal so in eine fremde Fantasywelt packen könnte. Wesentlich enttäuschender sind aber die schwachen Dialoge und die farblosen Charaktere. Mal wird der Magier Maziroc als lebensbejahend beschrieben, dann plötzlich wird er zum Schwarzseher, und das nicht innerhalb von 1.000 Jahren. Mal erklärt Kenran´Del die einzelne menschliche Existenz für unbedeutend, nur die Leistungen würden zählen, dann ist ihm genau das Gegenteil eine weitlang wichtig. Gerade dieser „Fremde“ und die Anleihen bei „Stargate“ trübten mein Lesevergnügen. Das Nachwort klärte dann aber vieles auf: Der neue Verlag wollte die Bücher des Autors wieder herausbringen, wenn er die Vorgeschichte dazu schrieb. Diese nutze er, um Nebenpersonen seiner beiden Hauptromane auszubauen. Fank Rehfeld scheibt sogar selbst, dass er dem Helden der anderen Bücher wesentlich mehr zugetan ist. Dennoch: Die Idee und die schriftstellerische Umsetzung einer Geschichte mit 1.000 Jahren Differenz ist eine tolle Leistung, da sie trotz aller Schwächen lesbar bleibt. Deshalb 3 Punkte.
Das Buch Corum – Michael Moorcock
3 von 5 Punkten – „Der ewige Held“ tritt hier als Corum, einem elfenähnlicher Kämpfer auf. Das „Buch Corum“ ist in sechs Bände unterteilt (alle zusammen auf fast 900 Seiten), die aber eigentlich zu zwei Geschichten gehören. In der ersten geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse, in dem Corum widerwillig hineingezogen wird. Hier trifft man auf gute Fantasy-Handarbeit: große Schlachten, harte Einzelkämpfe, magische Relikte, abgrundtief Böse und strahlend Gute. Ein besonderes Merkmal des Helden sind seine Verstümmelungen, deren magischer Ersatz ihm immer wieder das Leben rettet. Auch sehr interessant sind die 15 Ebenen, so etwas wie Parallelwelten, auf denen die Handlung spielt. Die zweite Geschichte hält nur noch wenig von alledem bereit: Man trifft zwar altbekannte Gegner und Gefährten, der Grundkonflikt des ersten Teils ist aber nicht mehr vorhanden, und so muss sich die Spannung eben durch eine wirre Geschichte winden. Sprachlich gehört Moorcock zu den Größen des Genres, da macht auch der schwache zweite Teil immer noch Spaß.
Schattenherz (Die Herren der Runen 3) – David Farland
2.5 von 5 Punkten – „Ermüdend“ muss ich den Wiedereinstieg in die Serie um die „Herren der Runen“ nennen. Der dritte Teil stellt im Original den zweiten dar (in Deutschland wurden die Bücher gesplittet) und der lässt sich viel Zeit. Auch wird jeder Hintergrund und jede Motivation, die aus den vorherigen Büchern stammt, erläutert. Statt diesem Kaugummi hätte ich mir eher eine gute Zusammenfassung als Einleitung gewünscht. Wie das geht kann man bei Tad Williams Abschiedsstern lesen. Auch wenn die Idee der Übereigner, die eigene Fähigkeiten an ihre Lords abtreten und dann besser Sehen, Kämpfen oder Hören können, nach wie vor gut ist, finde ich die Maßlosigkeit der Übereignungen inzwischen derart übertrieben, dass jedenfalls meine Vorstellungskraft nicht ausreicht (übereignet mir jemand bitte Geisteskraft?).
Die Stadt der Götter (Die Pandemia-Saga 4) – Dave Duncan
4.5 von 5 Punkten – Dies ist der krönende Abschluss der Saga um den sturen Faun Rap und die impulsive Prinzessin Innos, die erst im dritten Teil ihre gegenseitige Liebe entdeckten und dann auf fürchterliche Weise von einander getrennt wurden. Rap hat sich über die Bücher hinweg verändert: Erst einfältiger Stallbursche, dann Geweihter, Magier und schließlich… Doch während er körperlich die Distanz zu seiner Geliebten immer weiter verringern kann, scheint er sich geistig zu entfernen. Die okkulte Theorie der „Worte der Macht“ wird in diesem spannenden Anschlussband endlich verständlich. Folterqualen, Trennungsschmerz und Wahnsinn (mit einem Schuss Humor) bleiben nach wie vor die treibenden Elemente der Saga, die ohne literweise Blut und Massensterben auskommt. Einen halben Punkt Abzug muss ich für das langgezogene Ende geben. Es ist mir bisher noch nie passiert, dass ich einen Roman ausgelesen hatte und noch am selben Tag zur Fortsetzung greifen MUSSTE. „Das Meer der Leiden“ war aber derart fesselnd, dass es einfach nicht anders ging. Dave Duncan hat sich mit definitiv zu meinen Lieblingsautoren gemausert.
Das Meer der Leiden (Die Pandemia-Saga 3) – Dave Duncan
5 von 5 Punkten – Welch eine Erleichterung! Der erste Teil hatte mich begeistert, die Fortsetzung nervte mich mit verwirrender okkulter Theorie und einer selbstbewussten Prinzessin, die vergeblich versuchte ein muslimisch nachempfundenes Land zu emanzipieren. Der dritte Teil nun nimmt die Stärken es Erstlings wieder auf: Der einfältige und sture Rap durchlebt eine zermürbende Odyssee, voll von unvorstellbarem Hunger, Durst, Schlafentzug und zermarternder Folter, gemischt mit zunehmender Magie, zunehmendem Problemen und Tempo. Die Geschichte nimmt sogar derart viel Fahrt auf und endet dermaßen fürchterlich, dass ich sofort zum vierten Teil greifen musste. Allerdings möchte ich an dieser Stelle eine kleine Warnung loswerden: Die Pandemia-Saga ist letztendlich eine Liebesgeschichte…


