Die Stadt der Träumenden Bücher – Walter Moers

3 von 5 Punkten – Der junge angehende Autor Hildegunst erbt von seinem Dichtpaten eine Kurzgeschichte, die derart gut ist, dass er sich sofort in die sagenumwobene Stadt Buchhain aufmacht, um den Verfasser aufzuspüren. Dort stolpert er in das wahnwitzige Epizentrum des Literaturgeschäfts: Sammelwütige Buchtouristen, verramschende Antiquariate, assassinenartige Buchkritiker und bettelnde Dichter tummeln sich in engen Läden und überfüllten Straßen, während die wirklich wertvollen Bücherschätze unter der Stadt von bis an die Zähne bewaffneten Bücherjägern aus einem gewaltigen Labyrinth gehoben werden. Hildegunst gerät natürlich an die falschen Leute und wird das Opfer einer niederträchtigen Verschwörung…

Das Kernproblem dieses Buches von Walter Moers hat er selbst erfasst und auf Seite 276 niedergeschrieben: „Dicke Bücher sind deswegen dick, weil der Autor nicht die Zeit hatte, sich kurz zu fassen.“ Wie Buchhain von Büchern überquillt, so quillt das Buch selbst vor witzigen Beschreibungen, Anekdoten, Einwürfen und seltsamen Figuren über, ohne dass sie die Geschichte voranbringen. Ich habe schon viel gelesen, aber dies ist das erste Buch, wo ich anfing Seiten zu überfliegen. Weiterhin ist ein Dinosaurier nicht wirklich eine Identifikationsfigur, sehr einfallsreich, aber zu weit weg. „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist ein vergnügliches Buch ohne Tiefgang.

Wunschkrieg (Die Sturmkönige 2) – Kai Meyer

4 von 5 Punkten – Der zweite Teil der Sturmkönige knüpft nahtlos an den Vorgänger an, und Kai Meyer behält das hohe Tempo weitestgehend bei. Der Schmuggler Tarik wird am Ziel ihrer Teppichreise von der geheimnisvollen Sabatea getrennt und versucht sie aus dem schwer bewachten Kalifenpalast zu befreien. Währenddessen schließt sich sein kleiner Bruder, der in der Wüste zurückblieb, den Sturmkönigen an. Diese Rebellen reiten auf Wirbelstürmen in den Kampf gegen die heranstürmenden Armeen der bestialischen Dschinns, die ihren Vernichtungsfeldzug gegen die Menschheit begonnen haben. Beide Handlungsstränge verlaufen parallel und treiben die Geschichte weiter an, was allein schon Anerkennung verdient, da viele Autoren damit nur Masse schaffen wollen, um auf eine passable Zahl von Buchseiten zu kommen. „Wunschkrieg“ liefert zahlreiche Antworten auf die im ersten Teil aufgeworfenen Fragen über die Dschinns, die Wilde Magie und auch die seltsamen Visionen des Narbennarren. Damit ist alles für das Finale im dritten Teil vorbereitet.
Das Buch leidet nur unter einigen kurzen, aber wahnwitzigen Entscheidungen der Protagonisten, die einfach nicht nachvollziehbar sind. Deshalb „nur“ vier Punkte. Eigentlich müsste ich zusätzlich einen Punkt für das Cover abziehen. Es suggeriert für mich einen Frauen-Fantasy-Roman ala „Vampire Lovestory“ oder „Der Werwolf, der mich küsste“. Weibliche Charaktere werden zwar selbstbewusst und wehrhaft beschrieben, was für die orientalische Welt schon auffällig ist, aber Tarik der Schmuggler ist der Held. Seine Wutausbrüche, seine Selbstverachtung und seine innere Zerissenheit bilden den Mittelpunkt.

Der Königsschlüssel – Boris Koch

3.9 von 5 Punkten – Vela, die Tochter des Königsmechanikers muss miterleben wie ihr Vater in den Kerker geworfen wird, da er den Aufziehschlüssel des mechanischen Königs nicht vor dem diebischen Klippengeier beschützen konnte. Ein Jahr muss er schmoren, bevor er hingerichtet wird, sollte der König ihn nicht begnadigen. Aber der steht ja still. Da Vela nicht auf die feierlustigen Ritter warten will, macht sie sich mit dem Jungen Cephei und dem bärigen, aber ritterlichen Nicht-Ritter auf die abenteuerliche Suche. Hexen, Rieseninsekten und andere Ungeheuer fordern die Gefährten immer wieder heraus. Velas Fähigkeiten der Mechanik bewähren sich meist mehr als das Schwert, doch der Klippengeier hat einem Meister, der nicht leicht zu bezwingen ist …

Dies ist kein tiefgründiger High-Fantasy Roman, eher ein Jugendbuch (ab 12), aber auch für Erwachsene unterhaltsam. Länge und Spannungsbogen sind okay, etwas mehr Wendungen und vor allem Hintergrund hätten der Geschichte aber gut getan.

Die Magier (1 – Gefährten des Lichts) – Pierre Grimbert

2.5 von 5 Punkten – Das gute Cover und die klare Ansage des Titels ließen mich schnell zugeifen. Das Buch fängt auch vielversprechend an: Vor Generationen wurden die Weisen aller Länder zu der geheimnisvollen Insel Ji gerufen. Sie betraten eine Höhle und kehrten nach langer Zeit verwirrt und gebrochen zurück. Da sie ihr Geheimnis nicht preisgeben wollten, fielen sie in Ungnade. Ihre Nachkommen ehrten die Insel, ohne deren Bedeutung zu kennen. Als wieder ein solchen Treffen kurz bevorsteht, sterben die Erben durch die meuchlerischen Züu, fanatische Krieger. Der Fischerjunge Jan, der Schausteller Rey, der scheigsame Waldläufer Grigan, der Riese Bowbaq, die Zauberin Corenn und die kleine Leti entkommen den Anschlägen und machen sich auf zur Insel Ji …
Das klingt nicht ganz neu, aber auch interessant. Ein großes Geheimnis, eine Abenteuerfahrt und eine bunte Gruppe von Gefährten sind bekannte Zutaten für vergnügliche Lesestunden. Leider ist das Buch mit 320 Seiten äußerst kurz geraten. Der französische Autor Grimbert lässt sich viel Zeit, seine Welt zu entwerfen (und hängt 40 Seiten Glossar an), anstatt die Geschichte voranzutreiben. Gezaubert wird erst ganz am Ende ein bisschen. Gerade die letzten Seiten enttäuschen, da des von Cliffhangern nur noch so wimmelt. Drei weitere, ebenso kleine Bücher gibt es von den Magieren noch. Vielleicht hätte er sie zu einem großen zusammenfassen sollen. Einen Teil gebe ich ihm noch Zeit, mich zu überzeugen.

Die Elfen – Bernhard Hennen

3 von 5 Punkten – Licht und Schatten bestimmen die 900 Seiten. Die Geschichte: Die zwei Elfen Nuramon und Farodin stellen sich gegen ihre Königin und versuchen ihre verbannte Liebste zu befreien. Diese hatte sich von einem Dämon täuschen lassen und ihm ein Kind geboren, das den Untergang der Elfen bedeuten könnte. Auf der Suche nach einem Weg in die „zerbrochene Welt“ werden die beiden Elfen von dem grobschlächtigen Menschen Mandred begleitet, der Dank der Albensterne (Dimensionstore), durch die sie reisen, Jahrhunderte überspringen kann, ohne den (fast) unsterblichen Elfen wegzualtern.

Das Licht: Es gibt ein paar wirklich gute Ideen in dem Buch. So zum Beispiel die Bibliothek des Wissens, die Verbannten von Valemas, den Wandel des kleinen Menschendorfes zu einem Königreich. Auch der verachtete Elf Nuramon, der schon so oft wiedergeboren wurde, dass es selbst seinen nahezu unsterblichen Verwandten zu viel wird, hat mir gut gefallen. Die letzten zweihundert Seiten bieten dann auch alles, was man von epischer Fantasy erwartet, inklusive großer Schlacht. Zu guter Letzt fand ich die Szene mit dem Fliegenfischen am Ende sehr gut auf den Charakter von Mandred zugeschnitten.

Der Schatten: Meine Hauptkritik ist eigentlich die kalte Stimmung des Buches. Der Anfang ist düster, und es gelingt dem Autor nicht, mir das Licht der Elfenwelt, die Wärme des ewigen Frühlings und die Mentalität der Unsterblichen nahezubringen. Dafür ist man eben zu selten dort. Es ist zwar alles da, aber nicht nah genug. Erst auf den letzten zweihundert Seiten kommt mit dem Tempo auch das Gefühl auf, das Mitfiebern und die Spannung. Die Elfensuche der zahllosen vorherigen Seiten über zahllose Jahrhunderte ist ziemlich verworren. Der Zufall (den es angeblich hier nicht gibt) gibt dann mal wieder ein Ziel an, das aber auch nur eine Zwischenstation ist. Weiterhin hat mich die ständige Wiedergeburt eines jeden „Albenkindes“ und das hohe Ziel des „ins Mondlicht Gehens“ gestört. Elfen, Trolle, Kentauren, Zwerge, ja alle sind verwandt miteinander, und sie werden wiedergeboren. Nur die Menschen nicht. Die sind eh meist nur Kanonenfutter. Ich kann mich an nichts „menschliches“ in der Menschenwelt dieses Buches erinnern, bis auf das kleine widerspenstige Wikingerdorf, Es gibt noch über ein Duzend Fortsetzungen, die vielleicht die Lücken der „Elfen-Geschichte“ füllen.

Dschinnland (Die Sturmkönige 1) – Kai Meyer

5 von 5 Punkten – Es geschieht selten, dass ich bei einem Buch schon nach wenigen Seiten feststelle, etwas Besonderes in der Hand zu halten. Beim Kauf war ich noch skeptisch, ob Geschichten aus „1000 und einer Nacht“, Dschinns und fliegenden Teppichen nicht eher für Kinder gedacht sind. Aber weit gefehlt: Die Helden sind zwar Teppichreiter, aber auch gebrochene Persönlichkeiten, keine Strahlemänner, sondern nur kleine Schmuggler. Und die Wüste, die die Stadt Sarmarkand umgibt, wird von bestialischen Dschinns bevölkert, die ihre Mäuler mit dolchlangen Zähnen bis zum Bauch aufreißen können. Kai Meyer erzählt die Geschichte in hohem Tempo, vergisst aber nicht, die Besonderheiten der kargen Landschaft oder die wundersamen „Hängenden Städte“ gebührlich zu beschreiben. Auch das Gefühlsleben der Figuren kommt nicht zu kurz. So bleibt ihre Motivation immer nachvollziehbar. Das Buch hat eine abgeschlossene Handlung, aber es bleiben genug spannende Fragen offen, um die beiden Fortsetungen zu füllen.

Die Meisterin (Die Gilde der Schwarzen Magier 3) – Trudi Canavan

3.5 von 5 Punkten – Ein guter Abschluss der Triologie, wenn auch mit ein paar Einschränkungen. Die junge Magierin Sonea war im ersten Teil noch auf der Flucht und musste sich im zweiten ihren gehässigen Mitschülern erwehren, um dann zum Schluss erpresst zu werden. Im vorliegenden Band verkehrt sich die Welt, sie wird zwar ausgestoßen, aber zur Jägerin und Feinde werden zu Freunden, als einige mächtige Schwarzmagier das Land bedrohen. Leider hat es Canavan auch hier nicht geschafft, Alternativen zu „er/sie kicherte“ und „sein/ihr Herz setzte einen Schlag aus“ zu finden. Ich glaube schon, dass sich menschliche Emotionen vielfältiger beschreiben lassen. Der Sinneswandel und die damit verbundene Liebesgeschichtte sind etwas schwach ausgearbeitet. Die Story nimmt aber immer mehr Fahrt auf, so dass der Lesespaß nicht getrübt wird. Das Finale lässt genug Spielraum für weitere Bücher, ein Prequel und drei Fortsetzungen gibt es bereits.

Die Flüsse von London – Ben Aaronovitch

2,5 von 5 Punkten – Der junge Londoner Polizist Peter Grant begegnet an einem Mordschauplatz einem Geist und nimmt einfach seine Aussage auf, da ihm nichts besseres einfällt. Das macht eine geheime Sondereinheit auf ihn aufmerksam, die ihn sofort als Lehrling aufnimmt (den einzigen). Der Mord bleibt kein Einzelfall. So muss Peter zwischen dem mühsamen Erlernen von Zaubersprüchen auch öfters das Leichenschauhaus besuchen. Dann wird er auch noch in den Grenzstreit zwischen zwei Flussgöttern (Vater und Mutter Themse) hineingezogen.
Was ich hier etwas zusammenhanglos weggeschrieben habe, lässt sich leider ebenso zusammenhanglos nachlesen. Das trübt das anfänglich vergnügte Lesen immer mehr, da helfen auch keine ironischen Anektoden, Vampire oder detailierte Beschreibungen von herunterfallenden Gesichtern. Die haufenweisen Stadtteilbeschreibungen von London werden wohl nur London-Kenner erfreuen, mir sagten die Straßen und Häuser nichts. Der Englische Humor rettet das Buch, aber nicht die Geschichte. Der Autor hätte mit etwas mehr Logik an die Mordserie gehen sollen. Aber vielleicht ist es ja Polizeialltag, dass man mehrere Fälle gleichzeitig bearbeitet, nicht wirklich alles versteht, und nur dafür sorgt, dass es aufhört.

Die Novizin (Die Gilde der Schwarzen Magier 2) – Trudi Canavan

3 von 5 Punkten – Wenn man sich die Magie wegdenkt, ist es ein Teenie-Roman, der von einer schikanierten Streberin aus armen Verhältnissen handelt. Mittelalterliches Ambiente und die meist durch Zauberei erwirkten Quälereien der Mitschüler sorgen für etwas Abwechslung. Ab der Hälfte des Buches kommt eine beklemmende Atmosphäre hinzu, da der Schwarzmagier dahinter kommt, dass sie und ihre Mentoren seine geheimen Praktiken herausgefunden haben und sie als Unterpfand für Verschwiegenheit zu sich holt. An ihrer Situation ändert sich sonst nichts. Da Canavan damit kein Buch füllen konnte, entwarf sie eine parallele Geschichte, die einen Magier in entfernte Länder und zu sich selbst führt.
Damit geht dem Roman viel vom Tempo des ersten Teils ab. Auch die Gesellschaftskritik hatte die Autorin schon differenzierter ausgestaltet. Nun gibt es fast nur noch richtig und falsch.

Die vergoldete Kette (Des Königs Klingen 1) – Dave Duncan

3 von 5 Punkten – Nach der überragenden Pandemia-Saga und dem gelungenen „widerspenstigen Schwertkämpfer“ habe ich mich an einen weiteren Roman von Dave Duncan gewagt. Die „vergoldete Kette“ beschreibt das Leben der „menschlichen Klinge“ Durendal, einem Ritter, der durch ein martialisches Ritual mittels Schwert-durch-die-Brust-stoßen magisch an einen anderen Menschen gebunden wird. Fortan besteht der Drang sein Mündel vor allen Gefahren zu schützen, selbst wenn es Unrecht zu tun bedeutet. Dieser Konflikt macht den Reiz des Buches aus. Die Geschichte selbst überspringt nach der spannenden ersten Hälfte locker dreißig Jahre und präsentiert einen gealterten Durendal, der nun als Kanzler staatstragend geworden ist, bis ihn ein geheimer Auftrag seiner Jugend einholt und seine Königstreue auf eine harte Probe stellt.

Dies ist auch die größte Schwäche des Romans. Auf etwas mehr als 500 Seiten wird eine Story gequetscht, die locker drei Bände gefüllt hätte. Drei wären besser gewesen, als eine Reise ans andere Ende der Welt, die zwei Jahre dauert, mit ein paar Sätzen abzutun, vor allem da der große Widersacher des Helden an dessen Seite reisen muss. Oder eben die Zeit als Kanzler einfach zu überspringen. Neun Bücher hat Duncan über die Welt der „Klingen“ geschrieben. Ich werde mal sehen (lesen), was die anderen so können.