Der weiße Wolf – David Gemmell

4 von 5 Punkten – Skilgannon ist ein junger General, der vor der Machtgier und zerstörerischen Liebe seiner Königin in ein abgelegenes Kloster flieht. Doch der Krieg wirft seinen Schatten voraus und zwingt ihn, den Ort der Ruhe wieder zu verlassen. Unterwegs trifft er auf Druss, die Legende, einen alten Krieger, der die Tochter eines Freundes aus den Fängen eines sadistischen Fechtmeisters befreien will. Kurzerhand machen sie gemeinsame Sache und scharen eine kleine Gruppe aus seltsamen Kämpfern um sich …
In eingestreuten Rückblenden erfährt man die Geschichte des Helden und versteht nach und nach, warum ihn der Traum vom weißen Wolf immer wieder heimsucht. Im Gegensatz zu vielen anderen Gemmells gibt es hier keine großen Schlachten und keine Ereignisse, die die Zukunft eines Landes verändern. Der abartig böse Bösewicht namens Eisenmaske muss einfach aufgehalten werden und man ist das Leser nur froh, dass sich ein paar Helden finden.

Ivanhoe – Sir Walter Scott

5 von 5 Punkten – Was für ein tolles Buch! Ich würde ihm auch 6 von 5 Punkten geben, denn es hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Ivanhoe spielt im 12 Jahrhundert in England. Nach dem dritten Kreuzzug befindet sich König Richard Löwenherz in Österreich in Gefangenschaft und wird von seinem Bruder Johann Ohneland vertreten. Mit seinem Gefolge aus Normannischen Rittern unterdrückt „Prinz John“ die alteingesessenen Sachsen und verprasst den Reichtum. Ivanhoe, selbst ein Sachse, kehrt aus dem Heiligen Land als Pilger verkleidet zurück, um die Lage für seinen König zu erkunden und sich dem Zorn des Vaters zu entziehen. Auf dem Weg rettet er den Kaufmann Isaac, der als Jude besonders unter dem Antisemitismus des Mittelalters zu leiden hat. Dieser bedankt sich mit Rüstung und Pferd zur Teilnahme am bevorstehenden Turnier. Ivanhoe glaubt, bei dem ritterlichen Spiel die Ehre seines unterdrückten Volkes wiederherzustellen, seinen Vater mit Stolz zu erfüllen und die Liebe seiner angebeteten Lady Rowena zu gewinnen. Doch die Normannischen Ritter sind harte Gegner und schrecken auch vor Entführungen nicht zurück…

Sir Walter Scott schrieb das Buch 1820 und begeisterte schon damals die Leserschaft. In altertümlicher Sprache lässt er das Mittelalter mit Rittern und Burgen, Räubern und Priestern auferstehen. Robin Hood und Bruder Tuck helfen Ivanhoe ebenso wie ein schlauer Hofnarr und ein geheimnisvoller schwarzer Ritter. Man lacht mit den Schelmen, leidet mit den Sachsen und Juden und fiebert mit dem Helden gegen fiese Templer. Ivanhoe bietet alles, was ein guter Fantasy-Roman braucht. Einzig die ausufernden Lösegeldverhandlungen trüben etwas den Lesefluss.

Drachenklingen – Pierre Pevel

2.5 von 5 Punkten – Die Musketiere kommen! Im Paris des 17 Jahrhunderts versucht ein Geheimbund namens „die schwarze Kralle“ die europäischen Königshäuser zu unterwandern. Kardinal Richelieu kann nur im Verborgenen die Nachfahren der Drachen (Menschen mit besonderen Fähigkeiten) bekämpfen. So ruft er seine alten „Klingen“ wieder zusammen, furchtlose Musketiere, die dem Thron treu ergeben sind und sich auf Spionage ebenso verstehen wie auf Duelle mit dem Degen.
Mal keine Ritter, dachte ich mir. Kurzzeitig kam auch das Gefühl von Mantel und Degen auf. Namen wie Richelieus und sein Vollstrecker Rochefort erhalten ihren Auftritt. Leider werden in den ersten Kapiteln alle paar Seiten neue Charaktere eingeführt, so dass ich schnell den Überblick verlor. Auch die Geschichte vermag nicht wirklich zu fesseln. Da Paris nicht verlassen wird, spielt sich alles an wenigen Schauplätzen ab. Und die Drachen sind ein Fremdkörper im Roman, so als hätte der Lektor es zur Bedingung gemacht, die hippen Monster noch irgendwie unterzubringen.

Die Legende – David Gemmell

3,5 von 5 Punkten – Druss ist ein alternder Krieger, der in der Abgeschiedenheit auf den Tod wartet. Doch der Hilferuf der Festung Dros Delnoch verleitet ihn dazu, die Streitaxt noch einmal von der Wand zu nehmen. Druss lebt von seinem Ruf und für ihn, auch wenn das Alter ihm immer mehr zu schaffen macht.

Parallel dazu versucht der vom Leben frustrierte Regnak dem Kampfschauplatz zu entfliehen, als er die gewaltige Streitmacht der Nadir anrücken sieht, Unterwegs begegnet ihm die Tochter des Grafen von Dros Delnoch, in die er sich verliebt. Die Liebe ändert seine Prioritäten, und er kehrt mit ihr zurück, um die Verteidigung zu stärken.

Gemmell liefert hier wieder einwandfreie Kost, die er mit den bewährten Zutaten Ehre und Heldentum würzt. Leider verliert er sich im Verlauf der Geschichte doch zu sehr auf den Schlachtfeldern, statt die Tragik der Figuren voll zu entfalten.

Die Frauen von Troja – Rena Monte

1 von 5 Punkten – Nach 100 Seiten habe ich das Buch zugeschlagen und weggestellt. Das Thema des Trojanischen Krieges aus der Sicht der Frauen klang sehr interessant, doch die Ernüchterung folgte schnell. Die Autorin Monte lässt an keinem Mann ein gutes Haar. Alle sind dumm, selbstsüchtig und Vergewaltiger oder clever, selbstsüchtig und Vergewaltiger. Mindestens ebenso störend war, dass Monte die verschiedenen Mythen in belehrende Dialoge verpackt hat. Dadurch werden die Figuren unglaubwürdig. Entweder fragt man sich, woher Kassandra oder Hektor dies oder jenes wissen und ihr Gegenüber belehren oder warum sie eben nicht wissen, was ihnen gerade offenbart wird. Nicht nur der Titel erinnert an „die Feuer von Troja“, von Marion Zimmer-Bradley. Meine Kritik dazu hier.

Das Drachenlied – Kai Meyer

3 von 5 Punkten – Der Zwerg Alberich wurde von Siegfried überlistet und seiner Tarnkappe beraubt. Zu allem Überfluss zwingt ihn der Nibelungentöter noch zu versprechen, den Schatz im Hohlen Berg weiterhin zu bewachen, während er den letzten Drachen erschlägt. Nach kurzer Besinnungspause, macht sich der wütende Zwerg mit seinen Freunden „Mütterchen Mitternacht“, „halber Hunne“ und „Geist“ auf, um ebenfalls im Blut des toten Drachen zu baden. Dies verheißt ja bekanntlich Unverwundbarkeit und könnte eine Revanche ermöglichen. Doch die Zeit drängt: Längst versammeln sich die Räuber, den schutzlosen Hohlen Berg zu plündern…

Auf nur 245 Seiten wird die bekannte Geschichte der Nibelungen mit humorigen Einfällen aus einer neuen Perspektive erzählt. Leider macht eine Ansammlung von Ideen noch keine gute Geschichte. Kai Meyer, auch mit dem Pseudonym Alexander Nix auf einigen Ausgaben, hat noch weitere (kurze) Bücher über die Rhein-Saga geschrieben.

Die Stimme der Wölfe – Henri Loevenbruck

3 von 5 Punkten – Der junge Bohem wächst als Adoptivsohn eines Wolfsjägers in einem kleinen Dorf auf. In der Johannisnacht rettet er einen Wolf vor dem Scheiterhaufen und zieht damit die Aufmerksamkeit von König, Kirche und Druiden auf sich. Als das Dorf auf der Suche nach ihm überfallen wird, kann Boehm nur knapp entkommen. Auf seiner anfangs ziellosen Flucht helfen ihm immer wieder Menschen, deren Beweggründe er ebenso wenig versteht, wie die seiner Jäger…

Die Welt von Gallica ist dem mittelalterlichen Frankreich nachempfunden. Christen, Ritter, Könige und Handwerksgilden bilden den Rahmen der Handlung. Die Mischung aus Fantasy und Historie funktionierte für mich nicht durchgängig, wobei gerade die Ränke des Adels die vorhersehbare Geschichte des Auserwählten etwas abwechslungsreicher machten. Die Handlung knüpft an die Reihe „Die weiße Wölfin“ an, die ich bisher nicht gelesen habe. Ich hatte aber zu keiner Zeit das Gefühl, dass mir Vorwissen fehlen würde, da der Roman davon unabhängig ist.

Das Zauberer-Handbuch – Michael Peinkofer

4 von 5 Punkten – Wer hätte das gedacht? Bei Saturn gibt es tatsächlich eine einzige Wühlkiste mit Büchern, und dort habe ich dieses Handbuch für Schriftsteller gefunden. Michael Peinkofer ist durch seine Orks-und Splitterwelten Bücher einem breiten Fantasy-Publikum bekannt. Hier widmet er sich den Schreibenden und gibt ihnen viele hilfreiche Tipps für einen gut strukturierten und spannenden Roman. Zuerst geht es um den Schaffensprozess selbst, also das Kreative, wo auch mal eine garstige Kassiererin zum Vorbild einer Romanfigur werden kann. Aber auch die verschiedenen Schreibstile wie personal und auktorial werden behandelt. Besonders interessant fand ich die Grundsätze von Aristoteles und die Forschungen zu den Archetypen der Mythologie. Peinkofer reichert die Theorie mit zahllosen Beispielen aus dem Kino an und gibt Beispiele aus seinen eigenen Schöpfungen. Den Abschluss bilden seine Erfahrungen zur Veröffentlichung und Bezahlung eines Schriftstellers. Natürlich können 330 Seiten nicht alle Fragen beantworten und garantieren auch kein gelungenes und erfolgreiches Fantasy-Abenteuer. Aber das wird auch nicht versprochen.

Elfenwinter – Bernhard Hennen

5 von 5 Punkten – Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, um den zweiten zu verstehen. Leser, die meine Kritik von „Die Elfen“ kennen, werden sich vielleicht fragen, warum ich überhaupt die Fortsetzung in die Hand genommen habe. Ich kann aber auf die anderen Bücher von Hennen verweisen, die mir sehr gut gefielen. Also Grund genug, dem Autor noch eine Chance zu geben. Und er hat mir meinen Vertrauensvorschuss mit Zinsen zurückgezahlt! Elfenwinter ist von der ersten Sekunde an spannend, packend und ein großes Lesevergnügen. Über wieder fast 900 Seiten entführt Bernhard Hennen in die schillernde Welt der Spitzohren und das kalte Fjordland der Menschen. Diesmal werden aber keine Jahrhunderte mit sinnloser Suche nach Sandkörnern vergeudet, denn die Trolle haben zum Angriff geblasen.

Der Roman wird mit jedem Kapitel brutaler. Die Gewaltdarstellungen steigern sich bis zur persönlichen Schmerzgrenze der meisten Leser, ohne sie jedoch zu überschreiten. Abgetrennte Gliedmaße bilden den Auftakt, Folterungen und Kanibalismus steigern sich mit dem Ausmaß des Krieges. Bei all dem Blut und Gedärm bliebt die Geschichte zum Glück nicht auf der Strecke.

Die Goblins – Jim C. Hines

3.5 von 5 Punkten – Jig lebt in einem von Höhlen und Tunneln durchzogenen Berg. Er ist ein besonders schwächlicher Goblin und damit in der Hackordnung ganz unten. Die einzige Abwechslung vom Latrinenschrubben ist das Wechseln der Feuerschalen, eine ölige und brenzlige Angelegenheit. Doch dann nimmt ihn sein tyrannischer Vetter mit auf einen Wachtdienst, den sich Jig als Aufstiegschance vorstellt. Lieder laufen sie einer Heldentruppe in die Arme, die alle bis auf ihn dahinmetzelt. Die klassische Gruppe aus Krieger, Zwerg, Zauberer und Dieb zwingt den ängstlichen Goblin, sie zum Drachenhort zu führen. Doch leider kennt er den Weg selbst nicht, was er aber lieber keinem sagt.

Die Geschichte klingt nicht originell, aber amüsant, was sie auch ist. Mit einem Augenzwinkern lässt der Autor die Abenteurer allerlei Gefahren durchleben, angefangen vom Trollen und Ogern, über Nekromanten und Untote bis zum tödlichen Drachen. Er erreicht nicht den beißenden Humor der „Zwerge“ oder den Tiefgang der „Elfen“, aber das hätte zu den kleinen Goblins auch nicht gepasst.

Die Taschenbuchausgabe von BasteiLübbe hatte anscheinend die Vorgabe nicht mehr als 350 Seiten stark sein zu dürfen, was man mit besonders kleiner Schrift erreicht hat.