5 von 5 Punkten – Ich habe nach der letzten Seite überlegt, was mir nicht gefallen hat, und mir ist nichts eingefallen. Das Buch ist perfekt. Es handelt ja auch von einer perfektionistischen Koboldin… und hat eine perfekte, schnelle Geschichte, skurile Gestalten, sympathische Flughunde, böse Dämonen, und natürlich: ein perfektes Ende.
Der Stier aus dem Meer – Mary Renault
3.5 von 5 Punkten – Die Fortsetzung von „der König muss sterben“. Die späteren Jahre des griechischen Helden Theseus sind in diesem Buch spannend beschrieben, haben nur einen bestechenden Makel: Die Jahre reihen sich aneinander, ohne dass es eine verbindende oder treibende Herausforderung gibt. Im ersten Teil war es noch die Unterdrückerherrschaft des kretischen Minos und das mörderische Stierspringen im Labyrinth. Das erste Drittel von „der Stier aus dem Meer“ ist noch wirklich überragend, um dann bis auf die letzten 50 Seiten abzuflachen. Das Ende ist ein alternatives zur allgemein bekannten Sage und dadurch unterhaltsam. Inkonsequent ist auch in diesem Roman der „historische“ Anstrich, ohne mächtige Götter, Magie oder Zauberwesen (Kentauren sind wilde Menschen), Theseus hat aber die Gabe Erdbeben vorauszufühlen…
Hohle Köpfe – Terry Pratchett
3.5 von 5 Punkten – Pratchett muss sich eigentlich nur mit sich selbst messen. Da gibt es spannendere und auch lustigere Scheibenweltromane, aber es macht eben immer wieder Spaß die lieb gewonnenen Gestalten der Stadtwache in einem neuen Krimi-Abenteuer zu erleben. Und etwa ab der Hälfte gibt das Buch richtig Gas und es fällt schwer es wegzulegen.
Aufstand der Männer – Johannes Tralow
5 von 5 Punkten – Endlich wieder ein richtig gutes Buch. Die altertümliche Sprache, die sich stetig steigernde Spannung und die interessanten Charaktere entfalten sich vor der völlig neuen Sichtweise der Verhältnisse des Minoischen Kreta, in der die Frauen herrschten. Und das in einem Buch aus den 50er Jahren!
Blödprinz Charlie – John Moore
3.5 von 5 Punkten – Der Titel ist blöd, die Verweise auf Coffeeshops und die Abkürzungen wie MWW (Magische Wunderwaffe) ebenso, die Fußnoten sind ein Witz, der nicht aufgeht. Ansonsten ist die Geschichte gut: Ein unehelicher Prinz wird zum Thronerben eines unbedeutenden Königreichs und soll dies mit harter Hand regieren, um es durch einen Aufstand gewinnbringend zu verscherbeln. Das alles anders kommt, verwundert dann nicht und treibt den Lesefluss voran. Die nachfolgenden Werke von John Moore sind deutlich besser, wenn auch ebenso schnell durchgelesen.
Die Feuer von Troia – Marion Zimmer Bradley
1.5 von 5 Punkten – Die Nebel von Avalon habe ich nach 100 Seiten frustriert in die Ecke gedonnert, das war vor 20 Jahren. Also genug Zeit der Autorin noch eine Chance zu geben und die Feuer von Troia zu lesen. Ich habe es immerhin bis zum Ende geschafft und war froh, auf dem Flohmarkt nur einen Euro bezahlt zu haben. Warum kann es keine Kentauren geben, sondern nur behaarte kleine Männer, die auf Pferden reiten, wenn Götter von Menschen Besitz ergreifen oder Kassandra, die Hauptfigur, Hellsehen und ihren Körper verlassen kann? Ebenso unlogisch fand ich ewigen Zweifel Kassandras, sowie dass sie den von ihr besessenen Priester Khryse eigentlich immer verachtet, nur um ihm am Ende nichts Böses zu wünschen. Genervt haben die Visionen, die immer die gleichen waren und ein nur allzu bekanntes Ende prophezeiten. Frustriert hat mich die Beharrlichkeit, mit der alle Männer als blutrünstige, machtgierige Vergewaltiger dargestellt wurden, griechische „Helden“ besonders. Neben Aeneas kommt Odysseus noch am besten weg: Er wird als Pirat mit Schnauzebart beschrieben. Die größte Schwäche des eindeutig radikal-feministischen, antike Quellen ignorierenden Romans, ist das Fehlen von vielschichtigen Charakteren.
Das Lied von Eis und Feuer 1 – Die Herren von Winterfell – George R. R. Martin
3.5 von 5 Punkten – „Game of Thrones“ ist sehr gut geschrieben, umso mehr stören schlecht übersetzte Namen wie Jon Schnee, den ich nicht mal richtig aussprechen kann; Ein Höhepunkt ist auf jeden Fall das Ritterturnier, ein Tiefpunkt das offene Ende dieses Romans, was anscheinend auch für die folgenden Teile gilt. Ich mag Epen, Sagas (und wie diese ganzen „ich-strecke-die-Story-auf-mehrere-Bände“ Romanreihen genannt werden) ganz gerne, aber es muss eine jeweils in sich geschlossene und abgeschlossene Handlung geben. Ich habe von Leuten gehört, die zwei Jahre auf eine Fortsetzung gewartet haben. Vielleicht warte ich einfach auf den letzten Teil und fange erst dann an zu lesen. Oder ich ziehe mir die TV-Serie mit Sean Bean rein. Aber auch hier lieber, auf die letzte Staffel warten…
Die steinerne Armee – David Gemmell
3 von 5 Punkten – Der erste Teil des Rigante-Zyklus: Langsam kenne ich Gemmell ganz gut: Der Held hat auch immer dunkle Seiten; Magie ist zwar mächtig, aber im Hintergrund; ein Lehrer mit Vergangenheit lehrt den Helden; die großen Schlachten werden immer spannend erzählt; die Charaktere sind glaubhaft und facettenreich. Was mich an diesem Buch gestört hat, war eher die Idee: Die „Steinerne Armee“ ist das Volk von „Stone“, welches dem Römischen Reich nachempfunden ist, die Riganten sind die Kelten, die Seevölker die Wickinger. Das ist erst mal nicht so schlecht, aber es fehlt diesem Buch an dem typischen Gemmell-Bösewicht, der so abartig böse ist, dass man dem Helden, trotz aller seiner Verfehlungen, die Daumen drückt.
Der Herr der Ringe – J.R.R. Tolkien
4 von 5 Punkten – Wenn man die Filme gesehen hat, liest man die Bücher anders. Das lässt sich nicht ändern. Die wundervollen Bilder übertragen sich auf die Zeilen, die Charaktäre erhalten die Gesichter der Schauspieler. Wer (wie ich) dann auch noch den „Wurm Ourobos“ vorher gelesen hat, der schaut nochmals anders. Der „Wurm“ ist ein Buch, das Tolkien definitiv beeinflusst hat, auch wenn seine Landschaftsbeschreibungen nicht annähernd so ausufernd sind, lang genug sind sie auf jeden Fall. Ich persönlich bin ja kein Freund von Kindern, die zu Helden werden; schon als Jugendlicher wollte ich lieber etwas von erwachsenen Helden lesen. Ich hatte nie die Hoffnung (und den Wunsch) wie Atréju aus der „Unendlichen Geschichte“ zu sein. Heute wäre wohl „Harry Potter“ das Pendant. Die Hobbits haben nun mal einiges von Kindern, und das störte mit bei diesem Epos schon immer. Zum Buch selbst: Der „Herr der Ringe“ ist sprachlich vielen anderen Romanen überlegen, hat einen fesselnden Spannungsbogen und eine durchweg bedrückende Atmosphäre, die, trotz der langen Reisen, nicht verloren geht. Noch eine Anmerkung zum Buch/Film-Vergleich: Boromir erhält im Film über die mächtige Präsenz von Sean Bean wesentlich mehr Bedeutung als im Buch, wo ihn Tolkien manchmal scheinbar vergessen hat.
Der König muss sterben – Mary Renault
3.5 von 5 Punkten – Hat mich dieses Buch geärgert! Ich habe mich extra für die Taschenbuch-Ausgabe von 1993 von Knaur entschieden, da ich hoffte, es wäre im besseren Zustand als ein Erstdruck von 1958. Der Verlag hat es aber geschafft, 17 Seiten zu vergessen (von Seite 240 direkt zu Seite 257) und in Kapitel 6 einfach nach 4 Seiten wieder 6 Seiten von Kapitel 5 zu drucken um dann erneut mit Kapitel 6 zu beginnen. Die Idee der Erählung ist jedoch spannend: Die frühen Jahre des Theseus, mytholigischer Held griechischer Vorgeschichte, so nacherzählt, wie sie wirklich hätte sein können, also ohne Ungeheuer und Zauberei, dafür aber in einer Welt, die nur blutige Riten kennt. Gerade die Variante des Labyrinth des Minotauros ist sehr gelungen. Was stört (neben den fehlenden Seiten): 1. Ganz ohne Zauberei geht es dann wohl doch nicht, aber sie bleibt nur ungewiss. 2. Die „Ich-Perspektive“ finde ich in Romanen sehr selten gelungen, auch bei „Der König muss sterben“ musste ich mich immer wieder rantasten.