Der Abschiedsstein – Tad Williams

4 von 5 Punkten – Tempo! Nach dem fantasiereichen, aber langatmigen „Drachenbeinthron“ geht es nun ohne Einleitung in die zweite Runde des Vierteilers. Tad Williams schafft es auf fast 900 Seiten Flucht, Suche und  Jagt auf viele Handlungsstränge zu verteilen und damit das Tempo hochzuhalten. Die Zusammenfassung des ersten Teils stellt der Autor dankenswerter Weise diesem zweiten voran (ich habe selten eine bessere gelesen). Warum dann nicht 5 Punkte? Das Buch ist nicht in sich geschlossen, es ist eher eine Station auf dem Weg. Es ist zwar schneller als der Vorgänger, aber damit eben auch anders und damit für sich genommen genauso gut.

Der Geifenmagier – Land des Feuers – Rachel Neumeier

2 von 5 Punkten – Auf der letzten Seite steht eine Widmung, die sehr viel über diesen Fortsetzungsroman sagt: „…danke ich, die mich überredete eine Trilogie zu schreiben, was ich ursprünglich gar nicht geplant hatte“. Der zweite Teil des „Greifenmagiers“ erzählt die Geschichte aus der Sicht der Besiegten weiter, was erst einmal gar nicht uninteressant ist. Die Bösen werden so menschlicher. Leider hat die Autorin fast alle ihre Schwächen des ersten Buches ausgebaut und die Stärken vernachlässigt: Die Charaktere denken sehr viel, grübeln geradezu, ohne dass die Handlung vorankommt. Die geheimnisvolle, fremde Welt der Greifen spielt fast keine Rolle mehr, die Überraschungen im Verlauf sind auf eine einzige gute (wenn auch sehr gute) Szene reduziert und die sich erst interessant entwickelnde „Schaffensgabe“ der Casmantier wird zum Schluss derart übertrieben, dass sich selbst Sauron persönlich wie ein Kind mit Zauberstab aus Plastik vorkommen müsste. Zusätzlich hatte ich damit Probleme, dass die Hauptfigur ein Mörder ist. Er ist kein Held, der reihenweise Ungeheuer metzelt, kein Soldat, der im Krieg tötet, sondern ein ganz normaler Mann, der zum Mörder wurde. Er hat zwar sehr lange in der Sklaverei gebüßt, aber im ganzen Roman gibt es keine einzige Auseinandersetzung mit dem Thema, keine Position, nur Schweigen.

Waylander – David Gemmell

4 von 5 Punkten – Ein sehr guter Gemmell mit hervorragend beschriebenen Charakteren, ohne strahlende Helden. Besonders ist hier einerseits die zweigeteilte Handlung, die sich mit der Suche nach einer Bronzerüstung und der Kampf um eine Festung befasst, andererseits (für Gemmell untypisch) das Fehlen eines unglaublich Bösen. Wer also große Schlachten ebenso mag wie hintergründige Protagonisten und sich nicht vor dem Lesen von brutalen Handlungen scheut (Gemmell ist wirklich eher etwas Liebhaber etwas härterer Gangart), wird nicht enttäuscht.

Kind der Prophezeiung – David Eddings

3.5 von 5 Punkten – Die Belgariad-Saga (Band 1) enthält einen ausführlichen Prolog, den man nicht lesen sollte, denn man die drei vorherigen Bücher über „Das Auge Aldurs“ nicht kennt. Ich kannte sie nicht, und deshalb erfuhr ich so viel von der Handlung, dass mir ein wichtiger Pfeiler der Spannung der Geschichte abhanden kam: Die Unwissenheit des Jungen Garion, der plötzlich von seinem ruhigem Bauernhof auf eine tolkische Reise mit seiner vermeintlichen Tante und einem alten Geschichtenerzähler gehen muss, da er selbst mehr zu sein scheint, als ein normales Kind. Ansonsten bietet der Roman eine spannende Reise in einer detailreichen Welt mit eigener Vergangenheit, in der Qualität vom „Herr der Ringe“. Das Buch hat nur 300 Seiten, aber allein die Belgariad-Saga hat 5 Bände, der drei Bücher vorausgehen und 9 Bücher folgen. Also: Lesefutter satt für Freunde der epischen Fantasy.

Dämonenhatz – Robert Asprin

2 von 5 Punkten – Drei humorvolle Romane in einem Band (Ein Dämon zuviel, Drachenfutter, Ein Dämon auf Abwegen), mit 670 Seiten eher drei kurze Geschichten, die von der Qualität sehr unterschiedlich sind. Es geht um einen Zauberlehrling, der bei einem Dämon in die Lehre geht und mit ihm Dimensionsreisen unternimmt, die ihn immer in große Schwierigkeiten bringen. Man muss den ersten Teil lesen, um den zweiten zu verstehen, der auch der einzig wirklich gute der Geschichten ist: 5 Verrückte, die gegen eine gewaltige Armee zu Felde ziehen. Diesem Teil würde ich 4 Punkte geben. „Ein Dämon auf Abwegen“ kann man sich eigentlich sparen, da nichts wirklich spannend oder neues passiert.

Kinder des Nebels – Brandon Sanderson

4.9 von 5 Punkten – Eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe! Es ist ein bisschen wie Star Wars zu Zeit der Musketiere. Es gibt einen Obersten Herrscher (Imperator), eine kleine Gruppe unbesiegbarer Inquisitoren (Darth Waders), eine unterdrückte Masse und ein paar Rebellen, die aber von Nebelingen (Jedis) mit Superkräften, die sie aus Metallen ziehen, in die Revolution geführt werden. Und das liest sich auch noch toll! Die deutsche Übersetzung (so vermute ich) hat leider Erwachsene zu oft „kichern“ lassen. Auch ist das Ende derart perfekt, dass die beiden Fortsetzungen, die bestimmt auch um die 900 Seiten haben, eigentlich nicht mehr so gut sein können. Ich werde es aber testen.

Handbuch für Helden – John Moore

2 von 5 Punkten – Aua. Klischees lustig in eine spannende Geschichte verpackt, das klang eigentlich nach guter leichter Fantasy. Aber das „Handbuch für Helden“ richtet sich mit dem Titel eher an den Leser, der allen Heldenmut aufbringen muss, um es bis zum Schluss zu schaffen. Die ersten 50 Seiten geben sich noch Mühe, die gleiche wie der „Held“, der bei der Prinzessin-Werbung alle Mitbewerber clever aussticht. Doch dann wird die Geschichte so platt wie die Witze flach (rund sind nur die Kurven der Frauen). Immerhin kann Moore schreiben, was einem dann noch etwas Hoffnung gibt. Etwas abgezockt fühle ich mich bei Moore immer (wofür er aber wahrscheinlich nichts kann), wenn das Cover im „Terry Pratchett Stil“ gehalten ist und auch der Buchrücken den einen Autor mit dem anderen vergleicht.
Wesentlich besser ist Moores „Nur Drachen leben länger“, das eigentlich die gleiche Geschichte erzählt, nur eben gekonnt.

Der Greifenmagier: Herr der Winde – Rachel Neumeier

3.5 von 5 Punkten – Tolles Cover, überraschendes Buch. Es ist ein Erstlingswerk, was man dem Buch stellenweise auch anmerkt. So könnten die Charaktere tiefgründiger sein – auch wenn sie viel nachdenken, bleiben sie etwas blass. Die Welt der Greifen aber ist derart fremd und packend anders, dass man locker darüber hinweglesen kann. Eine große Stärke des Buches sind die Überraschungen in der Handlung, die den Verlauf nicht vorhersehbar machen. Genervt haben mich hingegen die nahezu unaussprechlichen Namen der Greifen und der beschränkte Vorrat an Formulierungen für das Unbekannte an den Greifen. Etwas blutiger hätte es auch sein können… Die Trilogie ist schon fertig und der zweite Teil bereits im deutschen Handel. Ich bin gespannt wie die in sich abgeschlossene Handlung des ersten Romans weiter entfaltet wird.

Der Drachenbeinthron – Tad Williams

4 von 5 Punkten – Über 900 Seiten in ausschweifenden Beschreibungen, das kostet schon Durchhaltevermögen, gerade bei einer 200seitigen Einführung, in der die Handlung dahinplätschert. Dann plötzlich eine geheime magische Tür, ein Kerker, eine Flucht – alles ändert sich so schlagartig für den Leser wie für den Hauptcharakter. Danach müssen nochmals zwanzig Seiten in einem dunklen Tunnel überstanden werden, bevor die Handlung immer mehr an Fahrt gewinnt und schließlich auf eine große Schlacht zusteuert. Vieles im Drachenbeinthron kommt einem bekannt vor: Sithi (Elben), Rimmersmänner (Wikinger), Ändon, Usires (Gott, Jesus), Sturmspitze und Ineluki (Schicksalsberg, Sauron/Herr der Ringe) …
Aber das stört das Lesevergnügen eigentlich überhaupt nicht, alles wurde mit viel Können zu einer stimmiger Welt verbunden. Ich freue mich schon auf den zweiten Roman der insgesamt vier Teile.

Das Licht von Atlantis – Marion Zimmer Bradley

1 von 5 Punkten – Ich habe es in der Bücherei in der kostenlosen Restekiste abgestaubt und nach 50 vielversprechenden Seiten bereut. Ich habe den Klappentext zum Glück erst nach dem Ende gelesen, denn die gesamte Handlung ließ sich auf die wenigen Zeilen zusammenfassen. Das war definitiv mein letztes Buch der Autorin. Immer wieder fragte ich mich: „Geht es jetzt los?“ So um Seite 250 gab es mal Schwarze Zauberei, die aber auch nur undeutlich und sinnleer war. Dafür ist das Buch voll von Karma, Schwangerschaften, Geheule und Gezanke. Die Welt von Weiß-, Grau- und Schwarzmänteln, Wächtern des Lichts, Adepten und Initiierten hat eigentlich Potential, erhält aber keine Tiefe. Die Idee, dass Zauberei aus Farben und Gesängen besteht, kommt leider erst nach 200 Seiten auf und verliert sich schnell. Das Kastensystem bleibt kritiklos, ist aber Männerbeherrscht, und, wie bei der Autorin so typisch, nahezu alle Männer sind engstrinig, gewalttätig und böse.