2.5 von 5 Punkten – Das wunderbare Cover mit goldener Struktur ist zu schade, um es im Regal verschwinden zu lassen. Der Inhalt leider schon. Dabei fängt alles so gut an: Circe ist eine der zahllosen Töchter des Titanen Helios, der zwischen den neuen Göttern um Zeus und seinen alten Gefährten vermitteln muss, um einen erneuten Krieg im Himmel zu vermeiden. Die kleine Circe verwechselt sein Kalkül mit Empathie und wird bitter enttäuscht, als sie sich an einer ihrer Schwestern rächt, die sie immer malträtierte. Ihr Vater verbannt sie zur Strafe auf die einsame Insel Aiaia. Ab hier ist es mit dem Tempo und der Faszination vorbei. Es passiert wenig und wenn, dann ist es nicht spannend. Selbst als Odysseus bei ihr strandet und sie mit ihm ein Kind bekommt, dümpelt die Geschichte nur noch dahin. Irgendwann kommt sie endlich auf die Idee, etwas zu unternehmen, doch das endet in einem Desaster, das mich nur noch mit dem Kopf schütteln ließ.
Fürimmerhaus
2 von 5 Punkten – Dies ist das erste Buch von Kai Meyer, das mich nicht überzeugen konnte.
Ein Mann ohne Erinnerung landet in einem unendlich großen Haus und wird sofort von einer komischen Bande aus Gespenst, riesigem weißen Hasen und anderen zwielichtigen Gestalten abgefangen. Sie offenbaren ihm, dass sie abgeschobene Helden aus eigenen Welten sind, die man hier gefangen hält. Aufgrund fehlender Alternativen schließt sich der Mann, der sich Carter nennt, ihnen an. Schnell wird die Flucht geplant und angegangen, doch nicht nur die Bewohner des Hauses scheinen dies verhindern zu wollen, auch das Haus selbst hält nicht still …
Da sich keiner der Protagonisten an seine Vergangenheit erinnern kann, fehlt ihnen auch etwas, um als Leser mit ihnen mitfühlen zu können. Neben den Bewohnern, bleibt auch das Haus selbst bizarr, und damit der Hintergrund. Irgendwie ist das Buch ein psychedelischer Tripp mit vielen wirren Ideen. Etwas mehr Struktur und Erklärungen hätten der interessanten Grundidee gut getan.
Die Bürde des Zerfalls
2 von 5 Punkten – Tolles Cover, noch besserer Titel. Da musste ich einfach zugreifen. Dass es um Vampire geht, konnte ich der Beschreibung entnehmen. Ich war also für alles gerüstet – außer für den Inhalt. Vampire gibt es, aber auch Orks, haufenweise Untote und einen Spinnen-Bösewicht. Nachdem ich mich mit dem Setting angefreundet hatte, kam auch etwas Lesefreude auf. Doch dann wurden die Bösen böser und die Sprache des Autors deutlicher. Ich habe nichts gegen härtere, direkte Sprache. Auch Gewaltdarstellungen dürfen mehr als angedeutet werden. Wenn es aber nur noch darum geht, möglichst viel Mord, Folter und Qual darzustellen, ist das Ziel verfehlt. Sehr übel ist mir aufgestoßen, dass der einzige Homosexuelle ein Fiesling war, der Jungs vergewaltigt.
Königsfalke
5 von 5 Punkten – Ich war begeistert. „Königfalke: Spiegelmagie Band 1“ habe ich über einen Buch-Deal günstig geschossen, angetestet und nicht mehr weggelegt. Ein Magier wird ins Dorf geholt, da die Gemeinschaft ohne Regen bald sterben muss. Im Austausch für den Spiegelzauber sucht sich der Magier Kinder aus und schafft sie in seinen Turm. Der Junge Jokon wird ebenfalls ausgewählt und muss fortan mit anderen Kindern um seine Magier-Ausbildung und sein Überleben kämpfen. Denn: Wer nicht stark genug ist, wird in den Spiegel gezogen.
Parallel dazu begleitet der Leser Ioro, den Sohn einer Nebenfrau des Königs Kantana. Er vereint in sich alle positiven Eigenschaften, die seinem Halbbruder Tolioro fehlen. Dieser ist zwar Thronfolger, hasst seinen perfekten Bruder aber so sehr, dass er eine sadistische Ader entwickelt, die ihn immer mehr beherrscht.
Das Setting ist orientalisch angehaucht, was eine schöne Abwechslung zum Standard-Mittelalter ist.
Eine Warnung vorweg: Teil zwei fand ich katastrophal, da sich Tolioro zum sadistischen Mörder auswächst und weder die Eltern, noch der ach so tugendhafte Bruder etwas gegen das Töten unternehmen. Als Tolioro seinen neugeborenen Töchtern den Hals umdreht, war für mich das Lesevergnügen vorbei. Ich mag auch heftigere Literatur, aber das geht mir zu weit.
Moby Dick
3.5 von 5 Punkten – Ein Klassiker der Weltliteratur, der es mir wirklich schwer gemacht hat. Die Verfilmungen sind ja bekannt und Kapitän Ahab hatte beim Lesen für mich immer die Züge von Gregory Peck. Die Geschichte kennt man auch: Der große weiße Wal hat Ahab ein Bein abgerissen, weshalb dieser auf Rache sinnt und mit neuem Schiff und neuer Mannschaft auf die Jagd geht.
Der erste Teil des Buches liest sich schon fast komödiantisch, wobei die antiquierte Sprache des Romans (1891 erschienen) manchmal sicher unfreiwillig Komik erzeugt. Der junge Mann Ismael hat zur Charakterbildung beschlossen, Walfänger zur werden. Durch seine Bekanntschaft zum Riesen Queequeg, der ein gestandener Harpunier ist, kann er auf der Pequod in Nantucket anheuern. Diese Insel vor dem Bundesstaat Massachusetts mit seinen kauzigen Menschen wird ausführlich bei der Musterung dargestellt. Auch die ersten Tage auf See sind noch recht beschaulich.
Das ändert sich erst, als die Mannschaft Wale sichtet. Der Autor Melville nimmt kein Blatt vor den Mund: Die erlegten Wale werden seitenweise aufgespießt, zerhackt, ausgekocht und ihre Kadaver vor gierigen Haien beschützt, bis auch der letzte Tropfen des wertvollen Walrats aus den Gehirnen abgeschöpft ist.
Eigentlich wollte ich nicht weiterlesen. Die Darstellungen sind nicht nur widerlich, sondern auch ohne jegliche Empathie. Wale werden nur als Ungeheuer, Leviathane dargestellt. Doch dann bricht Ahabs Wahnsinn hervor. Er nagelt eine Golddublone an den Mast, als Belohnung für den, der Moby Dick zuerst sichtet. Das Vermögen macht die Mannschaft gierig, waghalsig und skrupellos. Nur der erste Steuermann Starbuck sagt das Unheil voraus und versucht, Ahab von der Jagd abzuhalten. Doch der öffnet eine bisher verschlossene Kabine und lässt seine Parsen (persische Glaubensgemeinschaft) ein Boot bemannen. Ihr Anführer Fedallah ist nicht nur erstklassiger Harpunier, sondern auch Zauberer und Hellseher und weissagt Ahab, dass Hanf die einzige tödliche Bedrohung für ihn wäre und er nicht eher stürbe, als dass Fedallah ihm im Tod vorausginge und als sein Lotse zurückkehren würde …
Durch die Grausamkeiten der Jagd wurde ich unweigerlich auf die Seite von Moby Dick gezogen. Ich glaube nur, dass der Autor das gar nicht bezweckte. Der weiße Wal bleibt bei ihm ein Ungeheuer, auch als er selbstlos das Schiff angreift, um seine Leidensgenossen zu beschützen.
Ahren: Der 13. Paladin Band I
3.5 von 5 Punkten – Ein guter Auftakt der Serie von Torsten Weitze, einem der wenigen erfolgreichen deutschen Selfpublisher. Ahren, der Sohn eines Tagelöhners, wird von einem mürrischen alten Waldhüter in die Lehre genommen. Er lernt unter größter körperlicher Anstrengung seine Heimat vor den Dunkelwesen zu verteidigen, die von DEM, DER ZWINGT, einem schlafenden bösen Gott, geschaffen worden sind. Als Ahren bei seiner Initiation den alten Götterstein berührt, beginnt dieser zu leuchten und zeigt ihm und allen Dunkelwesen, dass er der nächste Paladin sein soll, der den Gott bezwingen oder erwecken kann. Eine gnadenlose Jagd auf den Jungen beginnt …
Der Autor lässt sich im ersten Drittel viel Zeit damit, das Leben in Dorf und Wald – inklusive der Herausforderungen der Ausbildung – zu beschreiben. Kurze Sequenzen mit Dunkelwesen halten den Leser aber bei der Stange. Einige Sätze sind holprig und zu oft muss man lesen, dass sich Ahren nicht traut, seine Fragen zu stellen. Auch dass Elfen erst grüne, dann silberne Augen haben, nervt etwas. Aber die Welt ist sehr interessant gestaltet, und man will unbedingt mehr erfahren. Es gibt aktuell schon eine ganze Menge Bücher des 13. Paladins. Ich bin mir sicher, dass ich Ahren weiter folgen werde.
Landläufer
3 von 5 Punkten – „Landläufer: Ein Fantasy-LitRPG-Roman (Die Landläufer-Reihe 1)“ stand in der Werbung. Da ich noch kein LitRPG gelesen hatte, habe ich zugeschlagen.
Peabo Smith ist Soldat der Special Forces und wird für ein wissenschaftliches Experiment ausgewählt, dass ihn in einer andere, mittelalterlich angehauchte Welt versetzt. Ein Zwerg wird zu seinem Mentor, eine freigekaufte Sklavin mit ungeahnten Kräften seine Lehrmeisterin. Peabo muss sich erst mit seinem neuen Körper anfreunden, dann mit den Kämpfen, die ihm zusätzliche Erfahrungspunkte einbringen, dann mit dem Gegenspieler, der ihm nach dem Leben trachtet.
Als „RolePlayingGame-Spieler“ konnte ich die Level-Ups in der Geschichte nachvollziehen. Der Autor M.A. Rothman (in den USA ein Bestseller) hat die Erfahrungspunkte gut und mitunter lustig umgesetzt, ohne dass sie den Lesefluss stören. Das Highlight des Buches ist auf jeden Fall die Blutmaid, die der klassischen Geschichte eine tolle Würze gibt. Der Endgegner war nach einer halben Seite erledigt, was mich doch arg enttäuschte. Aber Peabo hat noch weitere Abenteuer zu bestehen …
Bestias
4 von 5 Punkten – Die Bestien Chroniken von Greg Walters spielen in einer römischen Welt, deren letzte Stadt Kol von einer magischen Kuppel vor Monstern beschützt wird. Drei junge Erwachsene kommen auf unterschiedlichen Wegen ins Kolosseum, um dem Volk ein blutiges Vergnügen zu bereiten: Während die stotternde Ceres in der Magierakademie einen Mitschüler verletzt, wird der Waise Tarl, der die Gefühle der Bestien spüren kann, von einem alten Gladiator verraten und der muskelbepackte Barbar Balger von Kopfgeldjägern gefangengenommen. Im Kolosseum nimmt sich der Zwerg Magnus, der Schmied und Narr zugleich ist, der drei Neuankömmlingen an und lehrt sie alles über die Bestien, gegen die sie antreten müssen.
Nachdem sie ihre erste Bewährungsprobe überlebt haben, stehen ihnen nur noch sechs weitere Jahre bevor. Doch das unverhoffte Angebot eines geheimnisvollen Fremden könnte sie vor dem Kolosseum retten: Sie sollen ein magisches Artefakt aus einer weit entfernten Ruine holen. Dazu müssen sie nur lebend durch das Herrschaftsgebiet der Bestien gelangen …
Greg Walters führt die Charaktere in kurzen Kapiteln einzeln ein, so dass man ihren Hintergrund kennt, bevor sie im Kolosseum aufeinandertreffen und zu Gefährten werden müssen. Das antike römische Setting gibt dem Roman einen spannenden Rahmen, den man nicht so oft im Fantasy-Genre findet. Es bleiben viele Fragen unbeantwortet, so dass man schnell zum nächsten Band greifen möchte. Ein paar kleine logische Schnitzer und die (noch) flachen Charaktere schmälerten das Lesevergnügen nur wenig für mich.
Mortal Engines
4 von 5 Punkten – Schräg und verrückt beginnt der Roman der rollenden Städte. Man braucht ein paar Seiten, um sich an das irrwitzige Setting zu gewöhnen. Die Menschheit hat es mit Superwaffen tatsächlich geschafft, die Erde weitestgehend unbewohnbar zu machen. Die Überlebenden rafften die „Old-Tech-Fragmente“ zusammen und setzten ihre Städte auf riesige Räder, um in Bewegung zu bleiben und an die wenigen Rohstoffe heranzukommen, die meist schon in anderen Städten gebunden sind. So müssen die kleineren getreu nach Darwin von den größeren gefressen werden.
Teenager-Waise Tom arbeitet im Museum von London. Unverhofft begegnet er seinem Vorbild Valentine, dem Obersten Historiker, und seiner attraktiven Tochter. Doch im Realität gewordenen Traum taucht plötzlich das Mädchen Hester Shaw auf und will Valentine töten. Tom kann das Attentat vereiteln. Doch anstatt von seinem Idol gelobt zu werden, stößt er ihn zusammen mit Hester in einen Schlund. Sie überleben und müssen sich unfreiwillig zusammentun, um die Stadt einzuholen. Hester will Rache am Mörder ihrer Mutter nehmen. Tom, der noch nicht ganz glauben kann, dass sein Vorbild keins ist, gerät in mehr Gefahren, als er sich je erträumt hätte …
Besonders das Ende hat mich überrascht und dem abgedrehten Buch einen Bonuspunkt beschwert. Wie die Reihe weitergeht, werde ich wohl bald erfahren.
Zum Film (Achtung Spoilergefahr): Erstmal muss ich dem Regisseur Peter Jackson (Der Herr der Ringe) gratulieren, da der Film für sich genommen sehr gut funktioniert. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, obwohl er mit fortschreitender Geschichte immer weiter von der Vorlage abweicht. Zum Beispiel sind die Protagonisten deutlich älter als im Roman. Der größte Minuspunkt ist für mich die fehlende tragische Liebesgeschichte von Valentines Tochter. Dass Hester gar nicht so hässlich wie im Buch ist und Tom deutlich cleverer, fand ich nicht schlimm. Wie gesagt: Die Geschichte wird zwar anders erzählt, aber sie funktioniert. Die größten Pluspunkte sind die gut in Szene gesetzten rollenden Städte und die Auftritte des Stalkers, die sogar besser sind als im Buch.
Die Gabe des Roten Königs
4 von 5 Punkten – Auf 360 Seiten führt uns die Autorin Janis Nebel mit der Protagonistin Merle vom kargen Leben im Moor in die große Stadt. Merle hält es zuhause nicht mehr aus. Ihre Mutter ist offensichtlich verrückt, brabbelt wirres Zeug und schreit die ganze Nacht. Merles Vater, der Messerschmied, ist entweder bei ihr oder in seiner Werkstatt. Merle flieht spontan, um zu Skip, ihrem Freund aus Kindheitstagen in die Stadt des Roten Königs zu gelangen. Sie muss bald erkennen, dass sie zwar den Weg von der Karte über ihrem Bett auswendig kennt, aber Striche kürzer erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind. Unterwegs stößt sie zu einem Treck von Siedlern und auf den geheimnisvollen Kenai, der mit 17 Jahren in ihrem Alter ist. In seiner Nähe spürt sie immer ein seltsames Ziehen im Körper, das sie verwirrt. Das Tor der Stadt des Roten Königs wird bewacht. Ohne Passierschein kommt niemand hinein. Kenai bietet ihr an, sie als seine Schwester auszugeben. Doch dann kommen Priester mit einem Kompass, der die verhassten Begabten finden soll, die im ganzen Land wegen ihren magischen Fähigkeiten geächtet sind. Merle und Kenai zeigen Symptome. Wachen stürzen herbei, als Kenai seine Fähigkeiten einsetzt. Merle entkommt im Chaos in die Stadt und versteht die Welt nicht mehr, sie ist doch keine Begabte …
Schon die ersten Seiten fesseln. Merle wächst im lebensfeindlichen Moor auf, schlägt sich durch und leidet unter ihrer Mutter. Doch sie wird sehr naiv dargestellt, was mit der Zeit etwas nervt. Auch die Szenen, wo sie sich zwischen zwei jungen Männern hin und hergerissen fühlt, sind nicht mein Fall. Das Magiesystem habe ich nicht ganz verstehen können. Vielleicht wird es in den Fortsetzungen deutlicher. Mit diesen Kritikpunkten wäre das Buch eigentlich eher bei 3 bis 3.5 Punkten, doch der Anfang ist einfach zu stark. Als Selfpublisherin ist der Autorin ein außerordentliches Debüt gelungen.