3.5 von 5 Punkten – Es hätte so viel mehr sein können. Ich habe mich auf die 1.000 Seiten sehr gefreut. Mit Nevernight hatte Jay Kristoff ein hartes Fantasybuch vorgelegt, das ich nicht weglegen konnte. Ich war mir also darüber im Klaren, dass es brutale Gewalt, literweise Blut und expliziten Sex geben würde.

Ich hatte jedoch nicht mit einem unglaublich unsympathischen Protagonisten gerechnet. Gabriel wird in einem Turm gefangen gehalten und muss seinem Wächter seine Lebensgeschichte erzählen (Interview mit einem Vampir). Dabei flucht er unablässig, beschimpft alles und jeden und säuft Wodka. Nach 800 Seiten Erzählung erfährt der Leser den Grund dafür, den er schon geahnt hat. Als Entschuldigung reicht das leider nicht aus. Ohne Sympathie fällt es schwer, die Leiden des Helden mitzufühlen. Einziger Lichtblick ist die Rückschau: Gabriel ist das Kind eines Vampirs und seiner sterblichen Mutter. Erst in der Pubertät entwickelt er seinen Blutdurst und wird schnell in das Kloster der Silberwächter abgeschoben, damit er ihm nicht erliegt. Hier wird er darin ausgebildet, vollblütige Vampire zu töten und seine Erbsünde mit dem fanatischen Glauben an Gott in Schach zu halten. Hier lernt er auch die Nonnenanwärterin Astrid kennen und verliebt sich in sie, obwohl dies strengstens verboten ist …

Pluspunkte: Da die Sonne seit siebzehn Jahren permanent von einem Nebelschleier umgeben ist, können sich Vampire jederzeit frei bewegen und schlachten die Menschheit nach und nach ab. Die Welt ist sehr düster und wird gut beschrieben. Nicht alle Vampire haben dieselben Kräfte, sondern unterscheiden sich nach Blutlinie. Auch untereinander gibt es Konkurrenz und Fehden.

Minuspunkte: Der übellaunige Antiheld wurde bereits erwähnt. Das Setting ist an das Frankreich des 17. Jhd. angelehnt. Warum es dann nicht ein alternatives Frankreich sein konnte, sondern nur Elemente in eine eigene Welt integriert wurden, erschließt sich mir nicht. Ein historischer Kontext hätte das Buch auf jeden Fall aufgewertet. Angeblich gibt es neben den Vampiren noch andere Schattenwesen, die von den Silberwächtern gejagt werden. Gelesen habe ich von keinem einzigen.

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