3.5 von 5 Punkten – Ein Klassiker der Weltliteratur, der es mir wirklich schwer gemacht hat. Die Verfilmungen sind ja bekannt und Kapitän Ahab hatte beim Lesen für mich immer die Züge von Gregory Peck. Die Geschichte kennt man auch: Der große weiße Wal hat Ahab ein Bein abgerissen, weshalb dieser auf Rache sinnt und mit neuem Schiff und neuer Mannschaft auf die Jagd geht.
Der erste Teil des Buches liest sich schon fast komödiantisch, wobei die antiquierte Sprache des Romans (1891 erschienen) manchmal sicher unfreiwillig Komik erzeugt. Der junge Mann Ismael hat zur Charakterbildung beschlossen, Walfänger zur werden. Durch seine Bekanntschaft zum Riesen Queequeg, der ein gestandener Harpunier ist, kann er auf der Pequod in Nantucket anheuern. Diese Insel vor dem Bundesstaat Massachusetts mit seinen kauzigen Menschen wird ausführlich bei der Musterung dargestellt. Auch die ersten Tage auf See sind noch recht beschaulich.
Das ändert sich erst, als die Mannschaft Wale sichtet. Der Autor Melville nimmt kein Blatt vor den Mund: Die erlegten Wale werden seitenweise aufgespießt, zerhackt, ausgekocht und ihre Kadaver vor gierigen Haien beschützt, bis auch der letzte Tropfen des wertvollen Walrats aus den Gehirnen abgeschöpft ist.
Eigentlich wollte ich nicht weiterlesen. Die Darstellungen sind nicht nur widerlich, sondern auch ohne jegliche Empathie. Wale werden nur als Ungeheuer, Leviathane dargestellt. Doch dann bricht Ahabs Wahnsinn hervor. Er nagelt eine Golddublone an den Mast, als Belohnung für den, der Moby Dick zuerst sichtet. Das Vermögen macht die Mannschaft gierig, waghalsig und skrupellos. Nur der erste Steuermann Starbuck sagt das Unheil voraus und versucht, Ahab von der Jagd abzuhalten. Doch der öffnet eine bisher verschlossene Kabine und lässt seine Parsen (persische Glaubensgemeinschaft) ein Boot bemannen. Ihr Anführer Fedallah ist nicht nur erstklassiger Harpunier, sondern auch Zauberer und Hellseher und weissagt Ahab, dass Hanf die einzige tödliche Bedrohung für ihn wäre und er nicht eher stürbe, als dass Fedallah ihm im Tod vorausginge und als sein Lotse zurückkehren würde …
Durch die Grausamkeiten der Jagd wurde ich unweigerlich auf die Seite von Moby Dick gezogen. Ich glaube nur, dass der Autor das gar nicht bezweckte. Der weiße Wal bleibt bei ihm ein Ungeheuer, auch als er selbstlos das Schiff angreift, um seine Leidensgenossen zu beschützen.