4 von 5 Punkten – „Der silberne Bogen“ ist der erste Teil der Troja-Trilogie Gemmells, den letzten Büchern vor seinem Tod. Der Held Helikaon (Äneas) lässt sich ein ungewöhnlich großes Schiff bauen, um die Piraten zu jagen, die seinen besten Freund getötet haben. Das kriegerische Volk der Mykener scheint hinter den Angriffen zu stecken, doch kann man dem mächtigen König Agamemnon nichts nachweisen. Die politische Lage spitzt sich immer weiter zu, bis Priamos, der egozentrische Herrscher Trojas, in eine tödliche Falle gerät, aus der ihn nur ein unerwarteter Helfer retten kann.
Die Geschichte verzichtet auf Zauberei und das Eingreifen der Götter, die bei Homer noch alle Geschicke lenken. Der Autor zeichnet eine kriegerische Gesellschaft, die zwischen Ehre und Profitsucht schwankt. Alle handelnden Personen sind sehr fein gezeichnet: Auch jemand, der zwei Seiten später stirbt, bekommt einen Background. In den Werken Gemmells gibt es normalerweise immer den abgrundtief Bösen, doch diesmal hat der Held, anstatt nur zu straucheln, selbst eine verstörend niederträchtige Tat begangen. Meine Sympatie wechselte mit den Seiten langsam zu Kolanos, einem wortkargen Krieger, der durch seine Vorstellung von Ehre und eine unverhofft gefundene Liebe in eine Sinnkrise gestürzt wird.