Die Lügen des Locke Lamora – Scott Lynch

4 von 5 Punkten – Der Titel ist gut, das Cover ist gut und die ersten Seiten lasen sich auch vielversprechend. Ich hatte mich wirklich auf das Buch gefreut. Doch dann musste ich erst einmal schlucken. Ich bezeichne mich nicht als Wortfetischist, aber Fantasy, die an Mittelalter oder Renaissance angelehnt ist, sollte nicht „Gentleman-Ganove“, „Deal“ und „Chains“ verwenden. Vielleicht ist dies aber auch der deutschen Übersetzung geschuldet. Die Geschichte spielt in Camorr, einer Venedig nachempfundenen Stadt, die zwischen Adel und Banden aufgeteilt ist. Als Waise gerät Locke an den Lehrherrn der Diebe, der sich unter einem alten Friedhof eine Schar von Kindern hält, die für ihn stehlen. Der Ehrgeiz des Kleinen lässt ihn schnell zum Problem werden, denn er hält sich nicht an die Regel, die Noblen und die Stadtwache nicht anzurühren. So wird er an Pater Chains verkauft, dessen Robe und Tempel nur Tarnung und Ausbildungsstätte für großangelegte Betrügereien sind. So wird aus dem Gossendieb, ein ausgewachsener Profi, der sich in bester „Ocean’s 11“ Manier den Spitznamen „Dorn von Camorr“ verdient. Doch aus dem Spiel wird blutiger Ernst, als der „Graue König“ auftaucht und die Banden niedermetzelt, um die Macht des Paten zu brechen.

800 Seiten sind schon eine Nummer für einen Erstling. Scott Lynch schafft es aber spielend die Entwicklung des Locke Lamora über Zwischenspiele mit Erinnerungen zu erklären und dem Ganovenstück der ersten Hälfte etwas Tiefe zu verleihen. Auch der Übergang zum bedrohlich brutalen zweiten Teil gelingt gut. Die Geschichte ist nicht vorhersehbar, die gewachsene Sympathie für die Protagonisten lässt einen am Schluss so richtig mitbluten.

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