2.5 von 5 Punkten – Von meister- bis stümperhaft bietet dieser Roman alle Facetten des Erzählens. Der Autor bedient sich mehrerer Erzähler, die teilweise in Briefen ihre Sichtweise auf den Trojanischen Krieg darlegen. Bis auf Odysseus kennt man erst einmal niemanden der Verfasser. Gerade der beschwingte augenzwinkernde griechische Held ist ein Highlight des Buches. Auch die Idee, das ganze mytische Fleisch der Homerischen Dichtung abzuziehen und mit dem Skelett eine gänzlich neue Geschichte zu konstruieren ist erst einmal interessant. Gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich eine stimmungstechnische Leistung sind die zahlreichen Alternativbezeichnungen von Personen und Orten. Troja wird auch Ilios oder Wilusa, Kreta auch Kefti, Alexandros auch Paris oder Parisiti genannt, je nachdem ob ein Ägypter, ein Assyer oder ein Achaier erzählt.
Die Hauptgeschichte folgt dem assyrischen Händler Ninurta, der Kopf einer Handelsgemeinschaft ist, die von einer geheimen Inselhöhle aus ihre Unternehmungen koordinieren. Sie geraten in die Vorbereitungen für den Trojanischen Krieg und hoffen kräftig daran verdienen zu können, was sich aber als folgenschwerer Fehler erweist…
Leider geht Gisbert Haefs oft zu weit. Die geheime Insel ist erst der Anfang. Ein ehemaliger Sklave stellt sich als gewitzter Tüftler heraus, der mal eben die Seilzugrolle, den Steigbügel und das Zaumzeug sowie den Buchdruck erfindet.
Weiterhin hat Haefs eine zu ausgeprägte Vorliebe dafür nicht den Krieg oder Kampf direkt zu beschreiben, sondern wie es danach aussieht. Er erzählt ausführlich und sehr detailliert über die Leichen auf den Schlachtfeldern, die Versehrten, die überforderten Ärzte, die gierigen Schänder. Die geheime Botschaft, die dem Händler Ninurta in den Kopf gepflanzt worden ist, wirkt aufgesetzt, um dem allzu bekannten Verlauf des Trojanischen Krieges doch noch ein unbekanntes und Spannung erzeugendes Element zu geben. Weniger ist eben manchmal doch mehr…